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The Robocop Kraus vor ihrem Gig im Mascotte (ZH) über Erfolg, Dilettantismus und ungewöhnliche Tourpläne.
"Das schlimmste was live passieren kann, ist wenn man diesen inneren Monitor nicht abschalten kann. Wenn man sich plötzlich selbst von aussen sieht, das ist schrecklich. Dann geht die ganze Spontanität verloren." Thomas Lang (Gesang) nimmt Bezug auf das Robocop Kraus Konzert an der Popkomm, das laut Carmen von der Phonag super gewesen sein soll, mit dem Thomas aber nicht wirklich zufrieden war. Das passiere aber eher selten, zum Glück. Andere Live-Pannen seien zwar auch irritierend, aber weniger schlimm: "Ich hab neulich bei einem Konzert drei mal dieselbe Strophe gesungen. Bin mir dabei richtig doof vorgekommen. Aber eigentlich ist sowas ja ganz witzig. Wär langweilig, wenn solche Sachen nie passieren würden."

Langeweile ist sowieso etwas, dass Robocop Kraus von ihrem Werk fernhalten möchten. Deshalb erfinden sie sich gerne mal neu, im vollen Bewusstsein ihre Fans damit vor den Kopf zu stossen. Aber die Hersbrucker sind halt "in it for the music", und nicht "for the money"...

BANDS: Wir haben schon mal zusammen gesprochen, auf dem Parkplatz der Boschbar, kurz vor Erscheinen des letzten Albums. Damals haben viele Leute gedacht "jetzt passiert was, jetzt geht richtig was ab"...

Thomas: Klar, das wird dann immer von allen an einen rangetragen, von Leuten wie du, vom Label, plötzlich schreiben das dann alle...

Aber das spürte man damals, beim Hören der Platte, da lag was in der Luft. Aber irgendwie hat's dann doch nicht so geknallt...

Meinst du so erfolgsmässig, wie misst du das denn? Da ist ja eigentlich schon viel gelaufen, wir haben unglaublich viel gespielt... Ich glaub wir sind einfach eine Band, bei der immer alle erwarten, es müsste noch mehr gehen. Wir haben jetzt die 3. Platte gemacht, bei der alle sagen "Jetzt muss was geschehen". Vermutlich machen wir noch 5 solche Platten (lacht).

Lass mich die Frage anders formulieren: Seid ihr jetzt da angelangt, wo euch die letzte Platte hätte hinbringen sollen?

Boah, das ist eine schwierige Frage... Das hat eigentlich was mit Karriereplanung zu tun, die's bei uns gar nicht gibt. Wir sind da einfach so reingerutscht und versuchen jetzt das Beste draus zu machen. Erfolg als Musiker ist was Schwieriges, klar ist es toll wenn viele Leute an die Konzerte kommen und man viele Platten verkauft, aber Erfolg als Musiker heisst für mich eher was zu tun, das ich spannend finde, einfach gute Musik, aufregende Musik zu machen.

Das ist euer einziges Ziel?

Eigentlich schon. Gleichzeitig stecken wir jetzt in so einer Maschinerie drin. Früher machten wir das als Hobby, das gibt dir halt ganz viele Freiheiten. Seit der letzten Platte machen wir's als Beruf, Wir sind da reingerutscht, das war nie so ein Masterplan. Aber es war dann natürlich schon eine Lebensentscheidung. Die Tragweite wird uns jetzt erst klar, wir realisieren dass wir zwar die Miete davon bezahlen können, aber es ist natürlich nix wo man sich eine Rente ansparen kann... Wir wollen uns auch nicht totspielen, aber Einkünfte gibt's nur durch Konzerte. Also landet man in der klassischen Künstlerbiografie: Deine Kunst bringt dir bisschen was ein, daneben muss man Scheissjobs machen um zu überleben. Ich will mich darüber gar nicht beschweren, das ist einfach ein Ding was man sich klar machen muss.

Ist das der Grund warum euer Bassist Tobias ausgestiegen ist?

Das war allem der Grund dass Johannes, unser erster Schlagzeuger, ausgestiegen ist, noch vor der letzten Platte. Der wollte halt was anderes machen. Tobias war einfach tourmüde, glaube ich.

Hat euch Tobias' Ausstieg irgendwie zurückgeworfen? Gerade bei der letzten Platte funktionierte die Rhythmusmaschinerie ja hervorragend. Wenn ich mir die neue Platte anhöre, kann ich zwar diesbezüglich keine Schwächen feststellen, aber ich könnte mir schon vorstellen dass es schwierig war, rein spielerisch wieder an diesen Punkt zu kommen...

So ein Wechsel geht über die Musik hinaus. Ein neuer Mensch mit seiner Art Musik zu machen ersetzt nie einfach nur einen anderen. Aber wir wollten sowieso was neues machen, sind sehr offen ran gegangen. Wir haben sogar überlegt uns einen neuen Namen zu geben. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden und versucht, uns von dem Erwartungen zu emanzipieren und uns von unserem Namen nicht einschränken zu lassen...

Beim letzten Album habt ihr ja ganz bewusst die Songs aufs Wesentliche reduziert, seid nach Schweden zum kühlen Pelle Gunnerfeldt gefahren...

... der das so Ingenieur-mässig gemacht hat (lacht)...

...und jetzt habt ihr euch bewusst fürs Gegenteil entschieden?

Genau, die neue Platte musste jetzt einfach ausufernd sein. Wir haben Leute eingeladen die Chöre gesungen haben. Leute, mit denen Peter (der neue Bassist) arbeitet, der spielt auch bei Station 17. Es durfte diesmal ruhig zuviel sein.

Kam das erst bei den Aufnahmen oder habt ihr das schon beim Songwriting so geplant?

Bereits beim Songwriting. Wir wollten mehr Melodien, nicht mehr das reduzierte, total auf den Punkt gespielte. Die Platte sollte bunter klingen, was ja das Cover schön zum Ausdruck bringt. Auf der letzten Platte war auch z.B. die Stimme immer ganz vorne, total trocken. Jetzt haben wir sie durch eine altes Gitarren-Delay gejagt.

Das habt ihr einfach im Studio so ausprobiert?

Ne, wir haben das bereits im Proberaum verwendet und Lieder damit geschrieben. Es sollte einfach total "wet" klingen.

Wie sind denn die Reaktionen auf das neue Album so? Ich hatte ja zuerst ziemlich Mühe, und ich hab auch schon verschiedenen anderen Leuten gehört, denen es ähnlich ging...

Das war uns schon klar, dass das passieren kann. Ist natürlich trotzdem scheisse im ersten Moment, wenn du das hörst. Dann wirst du schon verunsichert. Aber es war uns klar, dass die Leute was erwarten, wir jetzt aber mit was anderm ums Eck kommen, das konnte halt passieren... Aber sonst landet man in der Ramones-Falle, dazwischen gibt's fast nix. Wenn man zu sehr auf die Veränderungen achtet, würde man sich nie verändern, aus Schiss. Und davon muss man sich befreien...

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Mittlerweile hat sich Schlagzeuger Hans-Christian zu uns gesetzt, gleichzeitig hat die Support-Band The Big Bang Boogie mit dem Soundcheck begonnen, so dass sich leider nicht mehr nachvollziehen lässt, worüber in den nächsten paar Minuten gesprochen wurde. Als wieder Ruhe einkehrt, sind wir bei abenteuerlichen Tourplänen angelangt.
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Thomas: Wir würden gerne mal eine Schiffstour machen, auf Kanälen in Deutschland.

Habt ihr das nur angedacht, oder gibt's dafür konkrete Pläne?

Thomas: Ist eher so eine Idee... Schiffsdiesel ist heute ja auch so teuer. (lacht)

Bassist Peter mischt sich ein: Thomas, mit wem bist du heute eigentlich im Zimmer?

Thomas: Du, wir machen grad ein Interview.

Peter: Ach so, ich dachte ihr unterhaltet euch bloss so ein bisschen...

Thomas: Beides!

Peter: Ach so, wusste ja nicht, dass ihr grad an eurer Karriere feilt...

Thomas, im Interview mit Intro hast du kürzlich gesagt, dass du Bands davon abrätst, mit Labels Verträge einzugehen, welche die Labels auch an Tour- und Merchandiseeinnahmen beteiligt...

Thomas: Das ist halt so eine Horrorvorstellung, dass man als Band komplett vom Label abhängig wird....

Hans-Christian: Das lässt sich in Zukunft wohl nicht mehr vermeiden. Irgendwie müssen die ja auch Geld verdienen.

Könntet ihr euch denn vorstellen, irgendwann mal bei einer grossen Bookingfirma zu unterschreiben, statt bei einem Label?

Thomas: Lieber als bei einer Kaffeehauskette oder einer Jeans-Firma! Es geht ja immer mehr darum, ob die Musik überhaupt noch als solche verkauft werden kann oder nur dazu dient, ein Produkt zu bewerben. Das ist auch im Live-Sektor problematisch, bspw. mit dieser Jägermeister-Tour. Da wird auch ganz wenig darüber berichtet, weil niemand so recht weiss wie er damit umgehen soll.

Aber für Bands lohnt es sich halt doch, wenn mit ihrer Musik Produkte beworben werden. Siehe The Shins, Feist oder José Gonzalez...

Hans-Christian: Dafür ist der Song dann auf alle Ewigkeit korrumpiert. Ich werd mir den nie wieder anhören können, ohne an das beschissene Produkt denken zu müssen.

Thomas: Aber es schon auch verständlich, irgendwo muss das Geld ja her kommen. Ich würd auch nie nur den Bands die Schuld geben, die Situation ist halt einfach schwierig. Für alle, nicht nur für Bands. Auch die Studiobesitzer haben zu kämpfen, weil die Budgets für Plattenproduktionen ständig sinken. Das Soundgarden Studio in Hamburg musste deswegen grad dicht machen. Es ist halt kaum noch Geld für grosse Produktionen vorhanden, weil das gar nicht mehr eingespielt werden kann. So gibt es zwar immer mehr Produktionen, aber halt auch weniger gute...

Eigentlich war das ursprünglich ja das Ideal von Punk: Jeder macht was er will und er macht es sofort. Aber mittlerweile nimmt das doch Überhand, es wird zuviel Musik produziert.

Hans-Christian: Es entstehen so aber auch geniale Sachen...

Thomas: Die Beschränkung beim Aufnehmen ist natürlich schon aus was Gutes.

Hans-Christian: Dass Dilettanten Sachen produzieren können ist doch super.

Thomas: Das find ich auch den aufregendsten Aspekt von Punk, der glaub ich von der Kulturindustrie auch noch am wenigsten vereinnahmt worden ist. Subversion, Revolte, Jugend, damit werden ja im Handumdrehen Produkte verkauft und beworben. Aber Dilettantismus ist immer noch aufregend.

Seid ihr schon an Punkt gekommen wo ihr gemerkt habt, dass ihr zuwenig dilettantisch seid?

Hans-Christian: Kommt schon mal vor. Wir versuchen dem zu begegnen, indem wir im Proberaum die Instrumente wechseln. Daraus entstehen viele gute Ideen?

Sind so auch Songs entstanden?

Thomas: Ja, und wir haben auch welche so eingespielt. Beim zweiten Song "Hyenas" spielt der Peter Schlagzeug... Wenn du ständig das selbe Instrument spielst, weisst du halt irgendwann was am besten funktioniert und dann wiederholst du dich schnell, weil es der einfachste Weg ist. Das ist aber oft nicht der interessanteste Weg...

Was macht ihr denn, wenn alle mal alle Instrumente beherrschen?

Hans-Christian: Ich würd gern mal was mit einem Orchester machen.

Thomas: Oder wir werden mehr mit Gewalt experimentieren! (lacht)

www.therobocopkraus.de
www.myspace.com/therobocopkraus