Gut Ding will Weile haben.
Lang ist’s her, seit dem Erstling der Luzerner Rocker Marygold. Ganze drei Jahre, um genau zu sein. Was ist in dieser Zeit bloss geschehen? Viel. Besetzungswechsel, stilistische Neuorientierung und, vor allem, eine Aufnahme- bzw. Produktionszeit des neuen Albums von nicht weniger als einem Jahr.

Ob sich diese Geduld wohl schlussendlich ausgezahlt hat? Die Antwort, die sich über zehn Songs hinwegzieht, kann nur lauten: Ja! Bewaffnet mit furztrockenen Riffs wie beim eröffnenden „Nothing Else“, hallgeschwängerte Melancholie wie bei „The Pretender“ und stampfenden Rockern wie „Cold Desert“, die drei Jungs und das Mädel überzeugen. A propos Mädel: Bassistin K-Cee sei hier mal speziell erwähnt, für ihre perfekten Background-Vocals! Die Stimme von Sänger Phlipe Burrell’s Stimme mag nicht jedermanns Sache sein, eines ist sie auf jeden Fall: Einzigartig!

Chokebore war schon immer einer der Haupteinflüsse von Marygold. Auch heute noch, das hört man. Im Gegensatz zu ihren alternativerockigen Grunge-Anfangstagen ist aber vor allem eine Weiterentwicklung offensichtlich: Elektronik. Und zwar genau im richtigen Ausmass. Sehr Radiohead-like, relativ häufig, jedoch genau an den richtigen Stellen eingesetzt. Sowieso allgegenwärtig: Melancholie, Trauer und Depression. Sind die goldigen Vier tatsächlich so unglücklich? Oder haben sie ganz einfach erkannt, dass die traurigen Songs meistens auch die schönsten sind? Glücklich sein können sie vor allem über etwas: Diese Platte.

7/10

Ähnliche Interpreten:
Radiohead
Chokebore
Kashmir
Fireside

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