Taste of bitterness.
Ein Album wie „O“ kann ein Fluch sein. So hiess das Debütalbum des Iren Damien Rice. „O“ war eines der besten, wenn nicht sogar das beste Singer/Songwriter Album der letzten Jahre, und machte Damien Rice, spätestens mit dem Tode von Elliott Smith, zum Hoffnungsträger von Fans dieser Sparte. Kann ein solches Album noch getoppt werden? Eigentlich nicht. Aber das Resultat kann egalisiert werden. Und das tut „9“.

Schon mit den ersten Klavierakkorden fühlt man sich irgendwie zu Hause. „9 Crimes“ beginnt mit der Stimme von Damiens Dauer-Gesangspartnerin, Lisa Hannigan. So zerbrechlich schön, so perfekt passend zu Rice’s einsetzendem Organ. Beim dritten Stück werden sich wohl nicht wenige fragen: Hab ich nun ein Déja Entendu oder nicht? „Elephant“ erinnert frappant an „The Blower’s Daugher“ vom Vorgäner, hiess daher sinnigerweise vor der Veröffentlichung von „9“ „The Blower’s Daugher Pt. 2“. Und was singt da Damien im Refrain von „Rootless Tree“? „Fuck you, fuck you, fuck you and all we’ve been through“? Richtig. So primitiv es beim ersten Eindruck auch scheinen mag, irgendwie nimmt man dem armen Jungen seine verzweifelte Wut ab. Relativ ungewohnt kommt „Me And My York“ daher, da wird’s nämlich richtig laut. Passt aber irgendwie perfekt, zwischen dem wunderschönen „Grey Room“ und den beiden verhältnismässig lockeren bzw. frühlichen „Dogs“ „Coconut Skins“. Wie eindringlich traurig Leiden sein kann, zeigt uns der Dubliner am eindrücklichsten bei „Accidental Babies“. 6 Minuten und 33 Sekunden Damiens Höllenqualen, nur getragen vom Piano. Da erinnern sich wohl einige Jungs wieder an die dunklen Stunden nach einer Trennung, wenn die Verflossene einen Neuen am Start hat... Vermisst sie wohl meinen Geruch? Macht er sie so glücklich, wie ich dazumal? Putzt sie sich auch die Zähne, bevor sie ihn küsst?

„9“ ist tatsächlich der schüchtern erhoffte grosse Wurf geworden. Kein einziger Song, der das Mittelmass auch nur touchiert. Frauen können ja so grausam sein, weiss Damien Rice, und verpackt seine Erkenntnisse in unglaublich einfühlsame, eindringliche und, natürlich, auch traurige Musik. Für alle, die nicht mehr wissen, was Liebeskummer ist: So hört er sich an!

9/10

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