divine

(P)operette.
Du magst Popmusik, aber bevorzugst es, wenn sie bescheiden und überschaubar daher kommt? Dann hör dir dieses Album nicht an. Neil Hannon lebt nämlich auch auf dem mittlerweile neunten Album seiner Band The Divine Comedy sein Faible für ausladende Arrangements bis zum Exzess aus. Hat da jemand was von überkandidelt gemurmelt? Kannst du ruhig laut aussprechen! Für eine Band die sich nach Dantes göttlicher Komödie benannt hat, ist so ein Beschreibung genau die richtige. Auf "Victory For The Comic Muse" finden sich Streicher, Piano, Bläser, Percussion und gefühlte 100 weitere Instrumente allenthalben, die Hannons Kurzgeschichten (als solche sind seine Texte zu lesen) umschmeicheln. Pop-Musik, mit grosser Kelle angerührt. Herrlich ist etwa "The Plough", eine rührende Geschichte über einen gutgläubigen Bauernsohn, den es in die Stadt zieht, der dort mit Korruption in Berührung kommt, der sich schliesslich Untergrundkämpfern anschliesst und es dann doch nicht übers Herz bringt, den Polizeichef umzubringen. Musikalisch umgesetzt im Walzertakt, mit vielen Verschnörkelungen und einem operettenhaften, höchstdramatischen Ende. Es geht auch schlichter, etwa bei der Single "Diva Lady", einem geradezu frappant simplen Popsong, den man nach dem ersten Hören schon mitsingen kann. Früher hätte man das "radiotaugliche" Musik genannt, ein Begriff der heute leider nur noch für allerbilligste, auf die Schnelle zusammengezimmerte und reichlich seelenlose Musik verwendet werden kann - das pure Gegenteil also von Divine Comedys sorgfältig inszenierter Version von Popmusik.

Aber was schreibe ich hier noch lange um den heissen Brei rum: renn in den Plattenladen deines Vertrauens, hör in "Victory For The Comic Muse" rein und wenn du nicht schon beim ersten Song "To Die A Virgin" hin und weg bist, dann lass es sein.

8/10

Ähnliche Interpreten:
Belle And Sebastian
Edwyn Collins
Pulp

www.thedivinecomedy.com