boris

Kamikaze & Katharsis.
Uff... Wer sich "Pink" am Stück anhört, diese fast 60 Minuten in Lärm gepackte Grandiosität, der ist erst mal geplättet...

Wer bei Boris an Becker denkt, dem sei gesagt: Boris sind sowas wie die japanischen Melvins (so wie Mono die japanischen Mogwai und Guitar Wolf die japanischen Ramones sind) und sie loten die Grenzen des Noise-Rocks aus wie keine andere mir bekannte Band. Nebst dem durchgehend immensen Energie-Level, knallen sie uns auch einen Sound entgegen, der den durchschnittlichen Hi-Fi-Hörer wahrscheinlich besorgt seine Anlage in die Reparatur bringen lässt. Derart fies fiepsen und scheppern sonst nur Platten von Guitar Wolf, denen es aber am Druck fehlt, den Boris auf Platte zu pressen vermögen.

Die Odyssee beginnt mit "Farewell" einem langsamen Stück, das an eine Mischung aus Isis und Sigur Ros erinnert. Das Schlagzeug poltert wuchtig, die Gitarren zersägen den von verwehten Vocals aufgespannten Raum. Ein Monster von einem Song, und das ist erst der Anfang! Unvermittelt verlassen Boris dann die "Emo"-Gefilde und hauen uns mit dem Titeltrack ein Hi-Speed-Riff-Monster um die Ohren. Da bleibt kein Nacken unbewegt. "Woman On The Screen" und "Nothing Special" halten das Tempo hoch, ehe sich Boris mit "Blackout" in Extrem-Doom-Gefilde vorwagen (mit auf Ais gestimmten Gitarren!). Mit "Pseudo-Bread" folgt etwas später gar sowas wie ein Hit, der "Hu-hu"-Chor im Refrain macht den Song zu einem in Lärm gegossenen Ohrwurm. Der zweitletzte Track "My Machine" ist ein kurzes atmosphärisches Intermezzo im Stile von Mono oder Mogwai (die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm also) und leitet über in den Schlusstrack "Just Abandoned Myself", ein 18-minütiges Monstrum von einem Song, das aus circa zehn Minuten Hi-Energy-Rock und acht Minuten Drone besteht. Ein mehr als würdiger Abschluss für dieses Wahnsinns-Album. Dazu folgende schöne Beschreibung:

"Ohne viel Firlefanz und Abwechslung - die Soli schemenhaft hinter dem dichten Lärmvorhang - begnügen sich Boris hier mit einer unglaublich einfachen Songstruktur und was kommt heraus: Maximale Spannung. Keine Sekunde Langeweile, was für eine solch lange Nummer ein Kunststück ist. Könnte immer so weiterlaufen. Eine Art kontemplatives Element hält diesen Sound im Kern zusammen, Noise-Ambient sozusagen." (Danke, Marcel, für diese Worte, besser kann man's nicht formulieren)

"Pink" ist sicherlich nicht die Platte, die jedermann glücklich machen wird. Im Gegenteil: 99% aller, denen du Pink vorspielst, werden die Flucht ergreifen. Aber dem einen übrig gebliebenen Prozent, das die Wucht von "Pink" zu schätzen weiss, wird dieses Werk noch lange aufregende Hörerlebnisse bereiten!

10/10

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