calexico

Adieu, Exotenbonus.
Mit Tex-Mex-Klängen und Mariachi-Trompeten haben sich Joey Burns und John Convertino zuletzt gar in die Charts gespielt und ihr Album "Feast Of Wire" wurde von Leuten entdeckt, die Jack Johnson für einen begnadeten Singer/Songwriter halten. Es wäre ein leichtes gewesen, die Erfolgsformel noch mal auf Platte zu pressen und es ist Calexico hoch anzurechnen, dass sie den gegenteiligen Weg eingeschlagen haben. Trompeten findet man kaum auf ihrem neuen Album "Garden Ruin". Stattdessen elf liebevoll arrangierte und instrumentierte Songs zwischen Folk, Alt.Country und Indie-Pop à la Death Cab For Cutie. Die Nylon-Saiten werden beiseite gelegt, die Verstärker aufgerissen. "All Systems Red" endet geradezu in einer Feedback-Orgie. Na ja, im Vergleich zu Bands wie Sonic Youth oder The Jesus And Mary Chain hat eine Feedback-Orgie von Calexico natürlich was Liebliches, Unschuldiges, aber im musikalischen Kontext von Calexico hat man sowas noch nie gehört.

Am schwächsten sind Calexico 2006 gerade dann, wenn sie versuchen, noch ein wenig an ihr früheres Exotentum anzuknüpfen. "Roka" etwa klingt wie ein uninspirierter Versuch, aufgebrachte Anhänger von "Feast Of Wire" und "Hot Rail" etwas zu besänftigen. Um ein vielfaches besser (weil konsequenter) sind da Songs wie "Letter To Bowie Knife", ein straighter Rocker, das bereits erwähnte "All Systems Red" oder auch das leichtfüssige, swingende "Lucky Dime". Joey Burns samtweiche Stimme bleibt unverwechselbar, besonders schön ist sie immer dann, wenn sie etwas brüchig wird und kippt. Etwa am Ende von "Deep Down", einem weiteren Highlight mit schönem Gesangsarrangement und treibendem Schlagzeug, wo Burns fast wie der Sänger der Shout Out Louds klingt.

Mit "Garden Ruin" geben Calexico ihre Unverwechselbarkeit preis, bewahren sich dadurch aber davor, auf der Stelle zu treten. Ein mutiger Schritt, den hoffentlich auch die Jack Johnson Hörer honorieren.

7/10

Ähnliche Interpreten:
Death Cab For Cutie
Isolation Years
Midlake
Wilco

www.casadecalexico.com