07. Oktober 2005
GANG OF FOUR - Return The Gift (V2/TBA)

Dance To The Underground.
Spass beiseite: Ein Name war im Zusammenhang mit der "New Wave of New Wave" besonders oft zu hören: Gang Of Four. 1979 erschien ihr Debut-Album "Entertainment". Da ich damals gerade mal 1 Jahr alt war, schäm ich mich nicht zuzugeben, dass auch ich die Band erst kürzlich entdeckt habe. Die Best-Of Compilation "A Brief History Of..." verschaffte mir einen vorzüglichen Eindruck des genialen Minimalismus der Band. Leider klingen die alten Aufnahmen - zumindest auf CD - erschreckend dünn, so dass ich die nun vorliegenden neu eingespielten Versionen mit Spannung erwartet habe, auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich das im Innersten eigentlich verwerflich finden müsste. Wo bleibt denn der Punk-Spirit, der sich ja gerade durch das Unperfekte, Unmittelbare auszeichnete? Aber: Man muss schon ultrapuristisch veranlagt sein, um den neuen Versionen nichts abgewinnen zu können. Endlich machen Bass und Schlagzeug den nötigen Druck. Schade allerdings: Der giftige Sound von Andy Gill's charakteristischer Gitarre wurde etwas entschärft und verliert im Vergleich zum Original an Prägnanz.
Interessant sind insbesondere die neuen Versionen der jüngeren Songs. "We Live As We Dream Alone" und "I Love A Man In Uniform" aus der Spätphase der Band (ca. 1984) konnten im Orginal den Schmalz der fortgeschrittenen 80er-Jahre nicht verbergen, wurden dessen nun wieder beraubt. Bereut man die poppigen Ausflüge?
Die Produktion von "Return..." ist das eine, das damit verbundene Statement das andere. Warum mussten denn die Songs neu eingespielt werden, statt sie - wie beispielsweise bei den kürzlich rereleasten Dinosaur Jr.-Alben geschehen - einfach zu remastern? Dazu folgende Überlegung:
Was ist am neuen Rolling Stones-Album eigentlich neu? Warum veröffentlichen Bon Jovi ein neues Album, das klingt wie die Quintessenz der vergangenen? Und: Freut man sich am Bryan Adams-Konzert nicht vor allem auf "Summer Of '69"? Gang Of Four entlarven mit "Return..." auch ein Stück weit dieses Zelebrieren vom Ewiggleichen, das die Rockmusik zu weiten Teilen prägt.
Aber keine Angst, man kann "Return The Gift" auch ohne derartige subversive Überlegungen einlegen, dem fürwahr zeitlosen Post-Punk lauschen und sich vom Rhythmus mitreissen lassen. Songs wie "Damaged Goods" oder "At Home He's Tourist" sind und bleiben gnadenlos gut.
Als Bonus findet sich auf "Return The Gift" eine Remix-CD. The Others, The Dandy Warhols, Hot Hot Heat, Yeah Yeah Yeahs und 7 weitere Acts wagten sich an die Originale. Das Ergebnis ist durchzogen, einige Versionen gefallen besser (etwa die von Ladytron), andere weniger (die von Hot Hot Heat). Die Bonus-CD rundet das Wiederaufleben von Gang Of Four ab, ist für mich aber der verzichtbarere Teil der Doppel-CD.
www.gangoffour.us



Kommentare
Na ja, immerhin bleibt anzumerken, dass für mich am Brian Adams-Konzert auch der sehr giftige Smasher "Kids Wanna Rock" immer eine grosse Freude ist. Gehört auf jeden Fall zu den 6,66 Songs, die man dem Rockstar-Magazin zu Weihnachten schenken sollte...was meinst Du?
à propos Bryan (nicht Brian!) Adams: ich find auch "Run To You" und "Somebody" ganz gut. Und "Waking Up The Neighbors" ist ja wohl das, was man ein "solides Rock-Album" nennen muss. Da gibt's tolle Textzeilen drauf wie "There will never be another tonight, come on baby hold on tight!"
Genau! Bei Bryan A. sollte man viel mehr auf die feinen Texte Acht geben, da steckt ja so viel doppelbödiges Rocky-Gefühl drin, angsteinflössend und so richtig rockstarmagazinmässig...,:-D