Auf der Suche nach der ultimativen Pop-Formel. Oder so was in der Art...
Erinnert sich jemand an Extreme? Die Band, die mit "More Than Words" einen Riesen-Hit hatte? Nach dem Erfolg mit dem funky Hairspray-Hardrock-Album "Pornograffiti" veröffentlichten sie mit dem Nachfolgewerk "Three Sides To Every Story" ein Album, das wahrscheinlich wegen des grossen Erfolgs der Kuschelballade "More Than Words" und dem Fehlen eines solchen Songs auf "Three Sides..." nie die Anerkennung erhielt, die ihm eigentlich gebührt. Ok, das Album ist bombastisch, teilweise immer noch cheesy bis abgrundtief kitschig, aber das Konzept mit den drei verschiedenen Album-"Kapiteln" (zuerst die Rock-Songs, dann die sanften Pop-Songs und schliesslich der orchestrierte Mammut-Prog-Song) verdient Anerkennung, zumal Konzeptalben zu Beginn der Neunziger und des aufkommenden Grunge-Booms nicht gerade Hochkonjunktur hatten.

"The Incomplete Triangle" von Lansing-Dreiden hat mit Extreme musikalisch rein gar nichts zu tun. Warum ich Extreme dennoch erwähne? Weil sich "The Incomplete Triangle" - der Name lässt es bereits vermuten - ebenfalls einem Thema von drei Seiten nähert. Wobei sich das Thema schwer inhaltlich festhalten lässt, da Lansing-Dreiden weder Liedtitel noch Texte im Digi-Pack abdrucken. Aber ein Thema ist dennoch schnell gefunden, drängt sich nach dem Hören des Albums geradezu auf: Popmusik 1960 bis 1990. Und zwar querbeet, jedes Jahrzehnt in jedem Song. Manchmal wird man das Gefühl nicht los, hier sei ein Computer mit The Mamas & The Papas, Led Zeppelin, New Order und unzähligen weiteren musikalischen Pop- und Rockgrössen versorgt worden und "The Incomplete Triangle" sei das Resultat seiner tagelangen Berechnungen zur optimalen Kombination der Inputs. Und wie es Computer so an sich haben: Das Resultat stimmt rein rechnerisch, ist aber etwas seelenlos. Sogar die Stimme klingt, als sei sie vom Computer berechnet worden. Mit viel Hall, um künstlich Seele zu erzeugen. Mit eingängigen Melodien, per "Copy&Paste" erstellt. Auch hier: Die Rechnung geht auf! Und dennoch bleiben Zweifel, denn das Irrationale ist nun mal tief im Menschlichen verankert, was uns zuweilen die plausibelsten Dinge in Frage stellen lässt...

Aufgeräumt, als ob sie durch die "Sortieren"-Funktion erstellt worden sei, präsentiert sich die Reihenfolge der Songs:

Songs 1 bis 4 rocken. Irgendwie. Mit Heavy-Metal-Riffs und 60ies Harmonien.
Songs 5 bis 8 chillen. Psychedelisch. Abgehoben.
Songs 9 bis 12 poppen. Discomässig, mit 80ies-Synthies. New Order halt.

Ist "The Incomplete Triangle" das Album der Zukunft? Oder eher ein müdes Plagiat, ein bemühtes Zusammenkratzen von Bewährtem? Oder beides oder gar nichts? Ich gebe zu, ich bin ziemlich ratlos. Aber eine knappe 7 scheint mir gerechtfertigt, zumal es für Überraschungen auch nach mehrmaligen Durchhören gut ist und zudem die Gedanken (meine jedenfalls) über die Musik hinaus schweifen lässt. Passiert ja eigentlich viel zu selten...

7/10

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