20. Juni 2005
THE ROBOCOP KRAUS - They Think They Are The Robocop Kraus (Epitaph/L'Age D'Or/Phonag)

Tanzbarer Post-Punk at its best: The Robocop Kraus liefern uns die beste Platte ihrer Karriere und einen heissen Anwärter aufs Album des Jahres.
Aber der Reihe nach: Die aus Nürnberg stammende Band The Robocop Kraus wurzelt tief im DIY-Punkrock/Post-Rock, ist bereits seit Jahren unterwegs (siehe auch das Interview, das ich im April mit der Band geführt habe), hat Hunderte von Konzerten in Japan, Nordamerika und vor allem Europa gespielt und sich seit Beginn tanzbarem Orgel-Rock verschrieben. Soll mir also niemand kommen von wegen "auf den Zug aufspringen" oder so! Während zu Beginn noch eher Bands wie The Make-Up oder Les Savy Fav als Hauptreferenz galten, verschob sich der Akzent allmählich Richtung Talking Heads, denen Robocop Kraus im übrigen mit dem Cover des aktuellen Albums Tribut zollen:

Talking Heads "More Songs About Buildings and Food" (Juli 1978)

The Robocop Kraus "They Think They Are The Robocop Kraus" (Juni 2005)
"They Think They Are The Robocop Kraus" (der Titel ist als Antwort zu verstehen auf die vorab veröffentlichte EP "Who Do They Think They Are?" und dürfte wohl nicht ganz zufällig an Devo's "Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!" erinnern) wurde bei Sound-Guru Pelle Gunnerfeldt (u.a. The Hives, Randy, Logh, The (International) Noise Conspiracy) in Stockholm eingespielt und enthält 12 Songs, von denen mindestens 10 veritable Hits sind. Da wäre das bereits von der EP bekannte Stück "In Fact You're Just Fiction", dessen "Kuhglocken"-Beat sofort in die Beine zielt, dessen Refrain-Zeile "Ooooooooh, you were alarmed to the greatest extent" ich kaum mehr aus dem Kopf bringe und das zudem noch die vielleicht beste, sicher aber tanzbarste Bridge aller Zeiten enthält. Nur schon für diesen Song muss man die Band lieben! Aber auch der "Party-Knaller" (ein ganz schlimmes Wort, ich weiss, aber stellt euch eine wirklich gute Party mit verdammt guter Musik und netten Leuten vor) "You Don't Have To Shout" oder der Opener "After Laughter Comes Tears", mit dem Hang zu Musical-Dramatik sind das Geld, das man für den Erwerb dieses Albums ausgibt, zehnfach wert.
Im Interview gaben Robocop Kraus zu Protokoll, dass die neuen Songs einfacher gestrickt seien, sich auf einen Beat oder eine Melodie pro Song konzentrieren würden. Im Prinzip ist das auch richtig so, die Songs sind tatsächlich weniger zerfahren als auf den (trotzdem sehr empfehlenswerten) Vorgängern "Living With Other People", "Tiger" und "Inferno Nihilistique 2000" (der Vollständigkeit halber sei hier auch noch die Split-LP mit Cherryville erwähnt), aber die Songs sprühen dennoch vor Ideen, die nun einfach nicht bloss nebeneinander stehen sondern sich ergänzen, ineinander fliessen. Hier muss man nicht nur von cleverem sondern von cleverstem Songwriting sprechen!
Textlich verblüfft Sänger Thomas Lang immer wieder mit simplen aber effektiven Satz-Verdrehungen wie "I've got the question, to every answer" oder "too true to be good". Und gesanglich ist er präsenter denn je. Wie er seine Melodien ausspuckt, Worte und Silben dehnt und zelebriert ist einfach grosse Klasse und verdient Bestnoten im Fach "Frontmann einer mitreissenden Band". Seine Live-Performance übrigens ebenfalls, der Mann tanzt wie kein anderer!
Angesichts dieser Grossartigkeit erstaunt es wenig, dass "The Think They Are..." das erste Album ist, das in Kooperation von L'Age D'Or (Tocotronic, Superpunk etc.) und Epitaph (Bad Religion, Rancid etc.) erscheint. Eine vielversprechende Konstellation, die die Band hoffentlich weit bringen wird.
Wer The Robocop Kraus auf ihrem aktuellen Festival-Marathon verpasst, hat im September die Chance sie live zu sehen. Am 21.9. in Genf, am 22.9. in Luzern und am 23.9. in Basel. Hingehen ist dringend empfohlen!!!
10/10
Ähnliche Interpreten:
Talking Heads
The Make-Up
Les Savy Fav
Radio 4
The Fever
www.therobocopkraus.de
www.bandsmagazine.ch/p68.html (Interview mit der Band)



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