05. Juli 2005
ÜBERBEWERTETE BANDS - Episode III
Überbewertete Bands müssen nicht schlecht sein. Halt einfach nicht so gut, wie sie manchmal dargestellt werden...
Franz FerdinandWieso Franz Ferdinand in den letztjährigen, alternativen Jahrescharts überall zuoberst standen, ist mir ein Rätsel. Was mach Franz Ferdinand so speziell?? Meiner Meinung nach gar nichts! Dies gilt auch für irgendwelche Nachzügler wie Bloc Party oder The Killers. Es scheint, als gelte folgender Grundsatz: Was in England gehypt wird, ist grossartig. Ich kann’s nicht mehr hören! New Wave hier, Post-Punk da. Was kommt als nächstes? Ein Disco-Revival mit Bee Gees-Klonen?

The Mars Volta: Bill Gates (verkleidet als Afro) und Reinhold Messner
The Mars Volta
Jede zweite Rockband nennt Led Zeppelin als grossen Einfluss für ihr musikalisches Schaffen. Jedoch tut dies niemand so offensichtlich wie The Mars Volta. „Wir sind die neuen Led Zeppelin!“, wurde Omar A. Rodriguez Lopez einmal zitiert. Das wäre ja schön und gut. Led Zeppelin hatten lange Songs. Sie hatten auch haufenweise ausschweifende Solos, und manchmal sogar Samba-Anleihen. Wie man diese Eigenschaft bis zur Grenze und weit darüber hinaus ausloten kann, zeigen uns The Mars Volta. Kaum ein Song besitzt eine Melodie oder einen Ablauf, den man sich merken kann. Dafür irgendwelche fünfminütigen Elektrogefrickel oder Gitarrensolos. Darüber Cedric Bixler’s jaulende Stimme, wie damals Robert Plant. An Live-Konzerten artet das Ganze dann sogar noch mehr aus. Da werden keine Songs mehr gespielt, sondern zweistündige Jamsessions! Für die einen sind The Mars Volta die innovativste, kreativste Band der Welt. Für die anderen ist es einfach nur ungeniessbare Musiker-Mucke, um der Welt zu zeigen, was man denn technisch so draufhat.
Nirvana
Wären Nirvana heute so gross, wie sie es ohne Zweifel sind, wenn Kurt Cobain noch leben würde? Ich denke kaum. Cobains Tod hat Nirvana erst zur Legende gemacht. Klar, ihre Musik sprach damals eine ganze Generation direkt an. Aber mal ehrlich: So überragend war die Musik an sich gar nicht. Cleane Strophe, verzerrter Chorus. Dynamisch wurde das genannt. Natürlich würde es ohne Nirvana heute viele Bands gar nicht geben. Aber würde es jemanden kratzen, wenn Nickelback oder Puddle Of Mudd nie gewesen wären? Nirvana waren eine gute Band. Aber nicht so überragend, wie sie heute angesehen werden.



Kommentare
Fazit: Das alte Mars Volta Album fand ich wirklich Hammer das neue ist fast ein bisschen zuviel des Guten. Ich habe noch die Bewertung von Vision zu der alten CD gefunden, die die höchste Vision sBewertung die ich je im Visions gesehen habe bekommen hat. (Kann sich jeder seine eigene Meinung zur CD Kritik bilden).
visions: Der Drogentod von Sound-Manipulator Jeremy Michael Ward überschattet ein eh schon monumentales Werk: "De-Loused In The Comatorium" könnte das "The Wall" des 21. Jahrhunderts werden! Wie bespricht man ein Konzeptalbum zum Thema Suizid, wenn just ein Mitglied der betreffenden Band einer Überdosis zum Opfer fiel? Wo das Faktische die Fiktion einholt, gewissermaßen degradiert, beginnt Sprache per se zu versagen. Versuchen wir es dennoch: Wind. Es beginnt mit atmosphärischem Rauschen und einer gezupften Gitarrenfigur. Kurz darauf ein Zeppelin-esker Einstieg, und drin bist du in einer der verstörendsten, intelligentesten, rätselhaftesten, visionärsten und ergreifendsten Platten, die je aufgenommen wurden. "De-Loused In The Comatorium" präsentiert sich als nie dagewesener Husarenritt quer durch Raum und Zeit, mit einer Finesse gesungen und gespielt, dass man enthemmt losheulen möchte. Als Post-Hardcore-Prog-Oper ohnegleichen, die die Konkursmasse At The Drive-Ins ohne Achselzucken mit an Pink Floyd geschulter Sphärik, vertrackter Rhythmik à la Police sowie bollernden Bonham-Grooves verschraubt. Gekrönt von Rick Rubins einmal mehr (und mehr denn je!) Bahn brechender Produktion, die jede Minute neue Türen aufstößt, den Laden bei allem tonalen Overkill aber stets zusammenhält. Vergesst Sparta! Wer das hier hört, der weiß, warum Flea unbedingt dabei sein wollte: Formvollendeter hat der Mann seinem Bass jedenfalls nie die Sporen gegeben! Geht der Opener "Inertiatic E.S.P" noch vergleichsweise nachvollziehbar an den Start, so folgt danach ein tonaler Absprung aus 3000 Metern Höhe ohne Netz, aber mit doppeltem Boden. "Take The Veil Cerpin Taxt", das grandiose "Cicatriz E.S.P", "Eriatarka" – allein die zehn Songtitel zu dechiffrieren wäre Stoff für eine sozio-kulturelle Studienarbeit. Nimmt man Cedric Bixler-Zavalas' Lyrics genauer unter die Lupe, so finden sich an jeder Weggabelung fein gedrechselte, surreale Wort-Kaskaden von eigentümlicher, lautmalerischer Schönheit. "Ruse of metacarpi / caveat emptor to all that enter here / exoskeletal junction at the railroad delayed", bemüht der Lockenschopf da etwa im kurvenreichen Hirnfick "This Is The Haunt Of Roulette Dares" medizinisch anmutende Phrasen. Ergebnis: eine wie im Fieberwahn entfesselte, vor Melodien strotzende Sprache, im Angesicht des Todes aufgezeichnet. Im verträumt Fahrt aufnehmenden, wundervoll gesungenen "Eriatarka" wiederum ist die Rede davon, einen "Bandwurm" anzuziehen "wie ein Haustier", bevor der Song zu einer wahren (Dub-? Noise-? Emocore-? Was eigentlich-?!) Hymne erblüht. Man kann Beckett und James Joyce förmlich feixen sehen. Bloß einen halben Meter daneben steht Pseudo-Chaos-Maestro Frank Zappa und kichert ebenfalls. Ein Teufelsbraten wie "Drunkship Of Lanterns" nämlich dürfte mit seinem lupenreinen Latino-Einstieg, dem urplötzlich aufflackernden Irrsinn und der unnachahmlich getrommelten Zeppelin-Abfahrt am Schluss selbst gestandene Progrocker zur Raserei treiben. Überall wimmelt es von wie trunken durchs Dickicht torkelnden Gitarren, die sich selbst davon zu laufen scheinen – und dennoch stets den Weg ins Ziel finden. Was Omar Rodriguez-Lopez hier treibt, erinnert an eine Katze, die du aus dem vierten Stock schmeißt und die doch auf allen Vieren landet (etwa im verspulten Solo von "This Apparatus Must Be Unearthed"). Am Ende bleibt die Überzeugung, dass The Mars Volta gleich mit ihrem ersten Wurf nicht nur einen Klassiker, sondern ein eigenes Genre erschaffen haben – und eine angesichts der eingangs erwähnten, tatsächlichen Entwicklung bittere, gleichsam prophetische Textpassage: "Autodafe / a capulary hint of red. / Everyone knows the last toes are / always the coldest to go." R.I.P., Jeremy Michael Ward. Autor: Patrick Großmann
Es gibt nur Bands die mehr oder weinger gefallen.
Diese Wellen die Musik ähnlicher Machart nach oben spülen gibt es alle paar JAhre wieder. Dem einen gefällt so was, dem anderen eben nicht.