notwist

The Making Of "Neon Golden".
Bei cede.ch hat doch tatsächlich jemand zum Meisterwerk "Neon Golden" schnöde hingeschrieben, die Platte sei langweilig. Bitte was? Dieses überirdische Werk mit seinen verschachtelten Rhythmen und den wunderbaren Melodien, der knisternden Elektronik und den vielen 1000 Ideen langweilig? Nie und nimmer! Da hat echt jemand die Platte "nicht verstanden". Wenn nun aber die betreffende Person den vorliegenden Film, der die 15-monatige Entstehungszeit des Albums dokumentiert, als langweilig bezeichnen würde, dann könnte ich nicht mehr ganz so vehement widersprechen. Der Film weist Längen auf, zelebriert sie geradezu, möchte sich abheben von anderen Musikfilmen mit ihren schnellen Schnitten und dem Herumgealber der Protagonisten. Das ist gut und recht und unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der die Musiker ihr Handwerk betreiben. Aber im Gegensatz zur ähnlich gelagerten Refused-Doku "Refused Are Fucking Dead" fehlt es an einem Spannungsbogen und die Bilder wirken auch zu oft fade und wenig einladend. Für Nicht-Musiker sind die Diskussionen im Studio – bspw. ob das Schlagzeug bei einer kurzen Passage nun "eiert" oder nicht – wohl kaum interessant, Musiker wiederum kennen das zur Genüge selber und haben vermutlich zuhauf ähnliches Filmmaterial im Schrank stehen. Immerhin: Der Film zeigt Notwist als Musiker wie du und ich (ok, vielleicht etwas perfektionistischer als ich), die mit sehr viel Geduld und Sorgfalt ihre Songs zusammenschustern (ich sagte ja schon, dass hier Handwerk betrieben wird).

Etwas interessanter wird es im zweiten Teil, wenn der Business-Aspekt in Person von City Slang-Boss Christof Ellinghaus auf die Künstlerseele von The Notwist trifft. Er will eine erste Single die knallt, sie möchten lieber erst ein unscheinbares Stück veröffentlichen. Er möchte "Presse, Radio, Fernsehen", sie möchten am liebsten gar keine Interviews geben. Das sagen sie so explizit zwar nicht, es wird aber deutlich (und unfreiwillig komisch), wenn man Notwist (v.a. den Acher-Brüdern) anschliessend dabei zusieht, wie sie mit gequälter Miene Interviewfragen beantworten und vor jeder Antwort sekundenlang überlegen. Highlight der Interview-Sequenz:

Interviewer: "Habt ihr eigentlich auch Hobbies, die mit Musik nichts zu tun haben?"
M. Acher: (zögert, überlegt, verdreht die Augen, es verstreichen geschätzte 10 Sekunden) "Hobbies?"

Fazit: Informativ: ja, unterhaltsam: eher nein. Mehr als einmal ansehen werd ich mir "On/Off The Record" kaum. Dafür wird "Neon Golden" wieder vermehrt im CD-Player landen und ich hab mir endlich "Shrink", das Vorgängeralbum, sowie das Album von 13 & God (eine Kollaboration von Notwist mit den Anticon-Künstlern Themselves) bestellt. Damit hat die DVD irgendwie doch noch ihren Zweck erfüllt...

Den Trailer zur DVD findet ihr übrigens hier:
http://www.youtube.com/watch?v=sl02t54b8Ok

www.notwist.com