Schräger Indie-Folk-Pop der Extraklasse.
Ein paar Eckdaten vorweg: Dieses Album ist schon über sieben Jahre alt. Und es erschien ursprünglich auch nicht auf Domino, sondern auf Merge Records, dem Label der Indie-Helden Superchunk. Leider erhielt es diesseits des Atlantiks kaum die Aufmerksamkeit, die ihm zusteht. Das möchten die geschichtsbewussten Leute des englischen Labels Domino (u.a. Franz Ferdinand, Sons And Daughters) ändern, und deshalb wird das Album am 5. September 2005 wiederveröffentlicht. Das find ich ganz löblich, denn "In The Aeroplane..." ist tatsächlich ein unglaublich gutes und absolut eigenständiges Album.

"'In the Aeroplane Over The Sea' is one of the most completely inspiring rock records I've ever heard... everytime I finish listening to it I feel like I've lived through something I'll never quite understand, something really big". Sagt nicht einfach irgendwer, sondern Ben Reed Parry von Arcade Fire.

Aber was macht "In The Aeroplane..." so besonders? Nun, vieles. Sicher Jeff Magnum's Gesang, mal sehnsüchtig, mal überschwänglich Purzelbäume schlagend, die Melodien beziehungsweise den ihm zustehenden tonalen Freiraum ausreizend wie's nur geht. Dann die unkonventionellen Songstrukturen. Einfach nur Strophe/Refrain-Schema ist hier nicht zu finden. Und natürlich die Instrumentierung mit Trompeten, Theremin und Dudelsack (?). Wenn alles zusammenkommt, entsteht ein Song wie "The King Of Carrot Flowers Pts. Two & Three": Mangum singt "I love you Jesus Christ", immer und immer wieder. Die Musik dazu klingt irisch, vielleicht schottisch. Dann setzt eine euphorische Trompete ein und der Schlagzeuger erhöht das Tempo, überschlägt sich beinahe. Die Gitarre ist unglaublich verzerrt, das Schlagzeug komplett übersteuert und der Schlagzeuger überdreht.

Der darauffolgende Titeltrack ist ein wunderbarer Schunkelsong mit Trompete und allerlei Geräuschen im Hintergrund. "Two-Headed Boy" ein Akustik-Gitarren-Geschrammel erster Güte. Auch hier überschlägt sich die Stimme, Mangum singt sich in einen wahren Rausch. Kein Hippie-Folk, sondern leidenschaftlicher Indie-Rock im Folkgewand, so liesse sich Neutral Milk Hotel auch umschreiben. Wobei es in etwa so korrekt ist, NMH als Folk-Band zu bezeichnen, wie wenn man die Pixies als Surf-Band bezeichnen würde.

Wahrlich eine Perle, die Domino hier ausgegraben hat. Die Zuspätgeborenen (bzw. Erstjetztentdecker) haben zu danken!

9/10

Ähnliche Interpreten:
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