Drei Meilensteine des US-Indie-Rock. Neu gemastert und mit (wenig) Bonusmaterial und Liner-Notes versehen. Essentiell!
1988: Eigentlich ist seit diesem Jahr in Sachen Indie-Rock alles gesagt. Die Pixies veröffentlichten ihr Debut "Surfer Rosa", Sonic Youth legten "Daydream Nation" vor, My Bloody Valentine "Isn't Anything" und Dinosaur Jr. schlossen mit "Bug" ihre "Trilogie in Ur-Besetzung" ab, die nun in frischer Blüte wieder in den Plattenläden zu finden ist.

Dinosaur Jr. starteten unter den Namen Dinosaur, das Jr. kam später aufgrund rechtlicher Querelen mit einer gleichnamigen Band dazu. Mit ihrem 1985 erschienenen Debut-Album "Dinosaur" legten der schrullige J Mascis (Gesang, Gitarre), Murph (Drums) und Lou Barlow (Bass, Gesang) den Grundstein für die Karriere einer der wegweisenden Bands des US-Indie-Rock. Ihr Einfluss ist fast nicht zu überschätzen. Man höre nur Bands wie Superchunk, Chewy oder auch die Luzerner Neviss. Auf "Dinosaur" hört man deutlich eine Band, die auf der Suche nach ihrem Stil ist. Da sind Einflüsse von Hardrock, Wave (J Mascis' damalige Frisur war der des jungen Robert Smith nicht unähnlich), Folk und Frühachtziger-US-Hardcore (Dinosaur veröffentlichten ihre späteren Alben dann auch auf Black Flag's Label SST) zu hören. Alle Elemente die die Band auszeichen sind auf "Dinosaur" bereits enthalten: Mascis' quengelnder, gequälter Gesangsstil, sein ausuferndes Gitarrenspiel (Distortion, Distortion und noch mehr Distortion), Barlow's verzerrter Bass, der das Fundament für Mascis' Griffbrett-Eskapaden liefert sowie Murph's treibendes Drumming. Als Bonus-Track ist auf "Dinosaur" eine Live-Version von "Does It Float" zu finden. In wirklich mieser Soundqualität zwar, aber dafür erhält man einen ungeschminkten Eindruck vom katharsischen Chaos, das damals bei Dinosaur Jr.-Gigs geherrscht haben muss.

"You're Living All Over Me" erschien nur 2 Jahre später, zeigt die Band aber bereits merklich gereift. Die Kompositionen wirken stringenter, die Arrangements weniger zufällig. Mit "Little Fury Things" und "In A Jar" sind zwei der vielleicht besten Songs der Band auf dem Album zu finden, mit "Poledo" gibt's auch einen ersten Vorgeschmack auf Barlow's Arbeit mit Sebadoh, die er nach seinem Ausstieg gründete (zudem veröffentlichte er Alben mit The Folk Implosion und heute ist er Solo unterwegs). Als Bonus-Track ist das fantastische Cure-Cover "Just Like Heaven" enthalten, warum allerdings dafür "Show Me The Way" vom Original-Album fehlt ist mir schleierhaft. Dafür sind auf der CD zudem zwei Videos (zu "Little Fury Thing" und "Just Like Heaven") zu finden.

Schliesslich: "Bug". Das Meisterwerk von 1988 das alles bisherige auf den Punkt bringt und mit dem Opener "Freak Scene" den Überhit der Band enthält. Der Sound ist mächtig, man höre nur Barlow's Bass in "Let It Ride". Aber die schiere Kraft des Albums lässt die Melodien und die Melancholie nie aussen vor, zwischen den Fuzz-Attacken verbergen sich immer wieder wunderschöne Momente, das Schlagzeug mag noch so nach vorne preschen, es übertönt nie die Zerrissenheit, die diese Songs so schön macht. Einziger Wermutstropfen: Die Krachorgie "Don't" schiesst ein wenig übers Ziel hinaus und nervt auf die ganze Länge. Als Bonus gibt's wieder zwei Videos ("Freak Scene" und "No Bones").

Da die Original-CD's wesentlich schlechter klangen und zudem mittlerweile auch kaum mehr zu kriegen sind, ist der Erwerb dieser drei Reissues mehr als empfehlenswert. Er ist eigentlich Pflicht, für jeden Menschen der gelegentlich den Begriff "Indie-Rock" von sich gibt...

7/10, 9/10, 9/10

www.dinosaurjr.com
www.freakscene.net