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Konzert, Doku, Videos - was will man mehr?
Die Frage müsste eigentlich lauten: "Was will man weniger?" Ich möchte weniger von Brian Bakers Gefiedel-Soli und weniger von Brooke Wackerman's hyperaktivem Drumming! Vor allem alte Songs wie "No Control" oder "Modern Man" leiden ganz dramatisch unter den zur Schau gestellten musikalischen Fertigkeiten der Neuzugänge (naja, Baker ist mittlerweile auch schon gut 10 Jahre dabei...). Besonders schlimm ist Brian Bakers Rock'n'Roll-Gitarren-Einlage beim Klassiker "We're Only Gonna Die". Dafür müsste man dem Kerl die Lizenz zum Gitarrespielen entziehen! Wer's nicht glaubt, soll sich die Live-Version von 1982 anschauen, die glücklicherweise auch auf dieser DVD zu sehen ist und die Bad Religion als Punkband, nicht als Stadionrocker zeigt.

Oops, jetzt ist es rausgerutscht. Es tut mir ein bisschen weh, dies zu schreiben. Aber meine einstige Lieblingsband ist im Jahr 2005 tatsächlich zu einer Art Stadionrockband verkommen. Negativer Höhepunkt dieser Entwicklung ist Greg Graffin's Piano-Version von "Cease". Elton John lässt grüssen (nur dass dieser besser Klavier spielt)... Aber keine Angst. So richtig schlecht können Bad Religion nicht sein, dafür haben sie genügend gute Songs und auch die Energie stimmt nachwievor. Nur der Charme der frühen Alben, den vermisse ich spätestens seit Brooke Wackermans Einstieg. Da können die anderen Bandmitglieder ihren Neuzugang in den (sehr informativen und ausführlichen) Interviews noch so loben, mir persönlich gefällt sein Drumming nicht und er ruiniert damit insbesondere das bereits erwähnte "No Control" sowie auch den Schluss von "Anasthesia", indem er einfach immer zuviel spielt. Dasselbe gilt - ich muss es nochmals erwähnen - für Brian Baker. Warum er gewisse Soloparts spielt, die eigentlich Mr. Brett's Aufgabe wären ist mir unerklärlich. Baker mag der "bessere" Gitarrist sein, Mr. Brett ist mit Sicherheit der gefühlvollere. Vergleicht die Live-Version von "Modern Man" (Baker) mit der Album-Version (Mr. Brett) und ihr versteht was ich meine! (Oder hört euch - um noch ein Beispiel zu nennen - das grandiose Eine-Note-Solo von Brett im Original von "Atomic Garden" an und dann das Gefiedel von Baker auf der Live-Version.)

Kernstück der DVD "Live At The Palladium" ist ein über 90-minütiges, aufwändig gefilmtes Konzert mit 31 Songs aus fast allen Phasen der Band-Geschichte. Sowohl Bild wie Ton lassen keine Wünsche übrig und auch die Verpackung (eine Art DVD-Digipak aus Karton plus ein dickes Booklet, das unter anderm eine ausführliche Auflistung des benutzten Equipments enthält) ist klasse. Ein Schwerpunkt der Songauswahl liegt auf dem aktuellen Album "The Empire Strikes First", aber auch die Klassiker kommen nicht zu kurz. Erwartungsgemäss spielte die Band keine Songs aus den Alben "No Substance" und "The New America". Eingebettet ins Konzert sind Interviews mit allen aktuellen Bandmitgliedern, wobei insbesondere Mr. Brett Interessantes zu berichten weiss (und Jay Bentley einen Extrapunkt verdient, indem er Elvis Costello als seine grösste musikalische Liebe angibt). Zudem enthält die DVD ein paar Videos aus dem Epitaph-Jahren ("Atomic Garden", "American Jesus", "Struck A Nerve", "Sorrow", "Broken" und "Los Angeles Is Burning") sowie zwei sehr sehenswerte Auftritte aus den Jahren 1980 und 1982 (Greg Graffin mit Totenkopf-Lederjacke ist köstlich). Somit ist die DVD durchaus auch für Fans der Frühwerke empfehlenswert!

www.badreligion.com
www.epitaph.com