19. August 2005
MAXIMO PARK - Mascotte (Zürich), 18.08.2005, Support: The Chocolate Rockets

"One Season Wonder" oder steckt da doch mehr dahinter? Maximo Park bewiesen im Mascotte, dass mit ihnen zu rechnen ist.
Zuvor betraten die Berner The Chocolate Rockets die Bühne, die liebend gerne - das wird schnell klar - so zum Hype avancieren würden wie die Headliner des Abends. Da man hierzulande bekanntlich relativ "hype-resistent" ist - zumindest wenn es sich um einheimisches Schaffen handelt - ein mutiges, bis anhin wahrscheinlich noch nicht ganz geglücktes Unterfangen. Der Eindruck, den sie hinterliessen, ist ein zwiespältiger: Zum einen wird natürlich schnell klar, dass hier jemand etwas zu stark den Hives nacheifert. Zum anderen wird mir auch klar, dass ich der Band gegenüber überkritisch bin, wahrscheinlich weil sie aus der Schweiz stammen und es sich hierzulande nicht gehört, derart effekthascherisch aufzutreten. Darf man das? Simple Songs zwischen Garagen-Punk und Hard-Rock spielen, dazu uniform bekleidet und mit einstudierten Posen eine Show abziehen. Ja gopfertammi warum eigentlich nicht? Vielleicht weil es nicht "echt" wirkt? Weil das ja alle anderen schon machen? Wo bleibt denn der "Sonderfall Schweiz", wenn hierzulande jede Band beginnt, den ausländischen Idolen 1:1 nachzueifern? Insofern: Ein Auftritt der mich zum Denken anregte (obwohl die Band das Publikum eigentlich lieber zum Tanzen animieren wollte...), was ja auch nicht schlecht ist...

Maximo Park starten ihren Auftritt mit "Signal & Sign" und schnell wird deutlich: Das Publikum ist zum Tanzen gekommen. Und zum Mitsingen und Mitklatschen. Und leider auch ein wenig, um sich selbst zu zelebrieren. Wie sagte doch Max Goldt so schön: "Das Publikum beklatscht sein eigenes Gedächtnis". Überdeutlich wurde dies insbesondere dann, wenn Maximo Park mal einen Song spielten, der nicht auf dem Album "A Certain Trigger" zu finden ist. Keine Erinnerung, ergo kaum Reaktion. Jedenfalls deutlich weniger als bei den bekannteren Songs, allen voran "Apply Some Pressure", mit dem die Band den regulären Teil des Sets beendete. Aber auch "Graffiti", "Once A Glimpse" oder "Postcard Of A Painting" wurden heftigst umjubelt, so als wolle das Publikum der Band beweisen, dass es verstanden hat, dass Maximo Park die tollste Band der Saison sind.
Die Band wiederum schien den Rummel zu geniessen, ohne ihn zu überbewerten. Im Mittelpunkt stand ganz klar Sänger Paul Smith, eine Art romantisch- intellektuelle Ausgabe vom Hives-Sänger Pelle Almqvist, der sich immer wieder die aufgeklebt wirkenden Haare zurecht streicht, die Augen verdreht, wie ein Äffchen hinter dem Mikrofonständer auf und ab hüpft und das Publikum mit seiner Stimme in den Bann zieht. Die Melodien, die er singt, gehören tatsächlich zum Besten, was man seit langem in der Gitarrenmusik gehört hat. Keyboarder Lukas Wooller tat es Paul Smith gleich, klatschte, tanzte, gab sich gar eine Spur wilder, es fehlt ihm aber Smith's Charisma. Reichlich blass blieb der Rest der Band, beim Bassist wurde ich gar das Gefühl nicht los, dass er sich am liebsten hinter seinen Verstärker verkrochen hätte. Was mich fragen lässt: Warum wird eigentlich so ein Rummel gemacht um diese gar nicht so spektakuläre Band? Nicht dass sie es nicht verdient hätte, im Gegenteil: Ihre Songs, die geschickt zwischen Punkrock, Brit-Pop und Garage pendeln, wachsen mit jedem Hören. Aber eigentlich sind sie viel zu komplex, haben zuviele Breaks, zünden erst beim zweiten, dritten Mal (was deutlich wurde bei den neuen Songs). Dass sowas plötzlich massentauglich ist, find ich doch einigermassen verblüffend. Aber beklagen tu ich mich darüber natürlich nicht.
Als Zugaben: "The Night I Lost My Head" und das wunderbare "Going Missing" und die Erkenntnis (oder eher eine Hoffnung?): Maximo Park haben verdammt starke Songs, die den Hype mit Garantie überleben werden.
www.maximopark.com
www.mascotte.ch



Kommentare
Trotzdem: Wird hier inzwischen nicht einfach nur an einer spiegelglatten Oberfläche rumgepützelt? Ist das nicht alles zu sauber, zu aufgeräumt, v.a. zu sicher? Der gruslige Gedanke, dass so sogar Phil Collins plötzlich Gefallen an Post-Punk finden würde... Dazu passend werden dem Publikum als Aufwärmer die sirupigen Schoko-Raketen vorgesetzt, fleissig den Uniformen nacheifernde Statisten in einer Szene, die zwangsläufig ins perfekte Vakum steuert.Die Luft wird knapp!