loghlive2007

Die musikalische Umsetzung des Nachhaltigkeitsprinzips...
Hamburg, 20. März 2003. Die News-Monitore in der U-Bahn verkünden den Ausbruch des Irak-Kriegs. Abends in der Prinzenbar wispert Logh-Sänger Mattias Friberg die Worte "today is a very sad day" ins Mikrofon, bevor er den Song "A Vote For Democracy" vom kommenden Album "The Raging Sun" anstimmt. Die Band spielt schroffer als ich das aufgrund des ersten Albums "Every Time A Bell Rings An Angel Gets His Wings" erwartet hätte. Vielleicht liegt's am Ereignis, das diesen Tag überschattet, vielleicht auch daran, dass die Band-Chemie nicht mehr die Beste ist und der Schlagzeuger ein paar Tage später in Spanien seinen Austritt bekannt geben wird – mitten in der Tour, wohlgemerkt. Das Konzert ist jedenfalls ein Ereignis, dass sich nachhaltig einprägt.

Winterthur, 16. Mai 2007. Logh sind wieder da, im Gepäck haben sie ihr neues Album "North". Das Konzert eröffnen sie mit "Saturday Nightmares", dem Opener des aktuellen Werks.
Da die neue Platte soundtechnisch die Gitarren zugunsten von Synthies und Piano in den Hintergrund rückt, erstaunt es wenig dass Sänger Mattias Friberg sich ohne Gitarre ans Mikrofon stellt und Bassist Mathias Oldén ohne Bass am Keyboard steht. Irgendwie seltsam mutet es dennoch an... Aber alle Zweifel sind verflogen, als die zwei Drummer das schon auf Platte wuchtige Schlagzeug-Intro noch eindrücklicher klingen lassen. Logh 2007 sind anders, aber nachwievor sensationell gut. Alles wirkt eine Spur luftiger, relaxter als auch schon. Und doch gilt weiterhin: Loghs Musik stimmt einen auf seltsame Art und Weise gleichzeitig tieftraurig und überglücklich, dringt tief ins Gemüt des Hörers ein und beschäftigt diesen noch tagelang.

Der Schwerpunkt der Songauswahl liegt natürlich beim neuen Album, das fast komplett gespielt wird. Das epische "Thieves In The Palace" sowie das melancholische "Weather Island" entpuppen sich dabei als Highlights. Vom letzten Album "A Sunset Panorama" gibt's erstaunlicherweise nur grad mal einen Song. Immerhin den besten: "The Smoke Will Lead You Home" (in überarbeiteter Version übrigens, siehe weiter unten). Von "The Raging Sun" spielen sie "The Contractor And The Assassin", das umwerfende Doppelpack "An Alliance Of Hearts" und "An Alliance Of Worlds" (letzteren findet man nur auf der UK-Version des Albums, sonst muss man sich die Single besorgen) sowie "The Bones Of Generation" (wie üblich als letzten Song und "nur" in der langsamen Version, die man ebenfalls auf der UK-Version findet oder auf einer Single mit einer superben Coverversion des Slayer-Songs "War Ensemble" als B-Seite). Vom Debutalbum vermiss ich "Yellow Lights Mean Slow Down, Not Speed Up" (siehe unten), aber der Song hänge ihnen halt mittlerweile zum Hals raus, wie Bassist Mathias nach dem Konzert am Merchtisch meint. Dafür gibt's "In Cold Blood" und den eher selten live gehörten, aber umso schöneren Song "The Bastards Have Landed" mit diesem unglaublichen Gitarrenpicking, das ich seit Jahren übe aber einfach nicht in der richtigen Geschwindigkeit zu spielen im Stande bin.

Es waren wohl noch ein paar Songs mehr, die sie gespielt haben. Zwischen den Songs wechselten sie fleissig Instrumente (Mathias griff doch gelegentlich zum Bass und Mattias schnallte sich ab dem zweiten Song eine Gitarre um), wobei immer mindestens 2 Leute Keyboard spielten, was letztlich bezeichnend ist für die aktuelle Logh-Phase.

In der folgenden Nacht bin ich übrigens aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen, weil verschiedene Logh-Melodien in meinem Kopf rumspukten. Das Konzert war also einmal mehr ein Ereignis, dass sich nachhaltig eingeprägt hat....

www.logh.se
www.salzhaus.ch

Hier findet ihr "The Smoke Will Lead You Home" in einer aktuellen Live-Version (mit wackeliger Kamera, dafür mit gutem Sound):

So klingt der Song übrigens in der CD-Version:

Und hier noch der Klassiker "Yellow Lights Mean Slow Down, Not Speed Up" mit dem vielleicht besten Gitarrensolo aller Zeiten: