21. Mai 2005
HOT HOT HEAT - Abart (Zürich), 17. Mai 2005, Support: The Departure, The Fever

Hot Hot Heat live! In Zürich! Muss ich sehen!
Punkt halb neun standen The Departure auf der Bühne. Fünf blasse Jungs aus England, die leider auch einen völlig blassen Eindruck hinterliessen. Musikalisch waren sie mit ihrem tanzbaren New-Wave-inspirierten Rock zwar auf der Höhe der Zeit, aber wenn man schon solche Musik spielt muss man sich auf der Bühne auch entsprechend bewegen. Fehlanzeige bei Departure, die standen wie angewurzelt da.
The Fever aus New York haben mit "Red Bedroom" ein Album vorgelegt, das mir sehr gut gefällt. Schräger Wave-Rock mit diversen Einflüssen, von Disco über Psychedelic bis Punk, ziemlich Synthie-lastig. Mit "S.C.O.R.P.I.O" legten sie gleich mächtig los. Vor allem der Drummer drosch so sehr auf sein Schlagzeug ein, dass sogleich klar war, dass er sich seinen beachtlichen Bizeps wohl in Ausübung seines Amtes antrainiert hat. Auf einen Bassisten verzichteten The Fever übrigens, die Basslinien übernahm der überaus komisch aussehende Keyboarder. Der trug allen Ernstes eine Brille wie sie sonst die kleinen Jungs tragen, die in Ami-Filmen immer von den coolen Jungs verprügelt werden... Nach dem instrumentalen Intro betrat der dandyhafte Sänger die Bühne. Im Unterschied zum Sänger von The Departure war hier ein Mann mit Charisma am Mikro, der sich dessen auch bewusst war. Gut so, denn zu dieser Art von Musik gehört einfach ein leicht abgehobener Sänger! Dass mich der Auftritt von The Fever letztlich doch nicht so richtig mitreissen konnte war nicht der Fehler der Band, sondern lag am äusserst miesen Sound. Die Gitarre war kaum zu hören, die Stimme klang viel zu matschig. Erst am Schluss bei der Single "Ladyfingers" besserte sich der Sound ein wenig, so dass man wenigstens erahnen konnte, wie toll The Fever mit gutem Sound sein könnten. Schade, schade... Zu meiner Freude verkauften Fever dann am Schluss der Show doch ein paar CD's, was darauf schliessen lässt, dass ihre Klasse trotz widriger Umstände von einigen erkannt worden ist.
Schon während The Fever versuchte ich, mir einen Platz am Bühnenrand zu sichern. Denn schon zwei Mal hab ich im Abart von an sich guten Konzerten kaum was mitgekriegt, weil aufgrund der geringen Bühnenhöhe einfach schon ab der zehnten Reihe kaum mehr was zu sehen ist. Aber mein "Trauma" vom Jimmy Eat World- und Mars Volta-Konzert sollte sich nicht wiederholen. Das Abart war wohl nicht ganz ausverkauft und es gelang mir, den Platz in der vordersten Reihe zu sichern. Nun ja, fast zuvorderst. Vor mir hatte sich noch eine Konzertbesucherin platziert, die mit ihrem Headbanging und laszivem Hüftschwung besser an ein Mötley Crüe-Konzert gepasst hätte und bei mir abwechslungsweise für Belustigung und peinliche Betroffenheit sorgte...
Nach einer rund 20-minütigen Umbaupause ging dann endlich das Licht aus. Schemenhaft betreten vier Gestalten die Bühne, ergreifen ihre Instrumente. Das Licht geht an, auf der Bühne steht: Hot Hot Heat! Sänger Steve Bays schaut einen Moment lang ins Publikum, bevor er "No Not Now" von "Make Up..." anstimmt. Schnell wird klar: So cool hat man Sänger selten Keyboard spielen gesehen! Mit weit gespreizten Beinen, die Knie leicht durchgedrückt, den Oberkörper nach hinten geneigt, das Mikrofon in der linken Hand, die rechte Hand auf der Tastatur. Dazu noch das glitzernde Halstuch (das meiner Meinung nach zum Styling gehört, während meine Freundin vermutete, dass er Halsweh hatte...) und der Lockenkopf: Bays steht von Beginn an klar im Mittelpunkt und er versteht diese Rolle auch ausgezeichnet zu spielen. Sucht den Kontakt zum Publikum, inszeniert sich am Bühnenrand und hinterm Keyboard. Aber auch seine Mitstreiter, insbesondere Bassist Dustin Hawthorne, beschränken sich nicht aufs Mauerblümchen-Dasein, sondern leisten ihren Beitrag zum Bild einer ausgesprochen "bühnentauglichen" Band. Das nennt man eine adäquate Performance des Songmaterials!
Der Sound war mittlerweile glasklar, einzig die Gitarre hätte ein Spur lauter sein dürfen. Nicht weiter schlimm, denn Hot Hot Heat setzen sowieso vor allem auf den Groove, was die Temperatur im Abart rasch in die Höhe trieb und die Konzertbesucher zum Tanzen animierte. Reserviertes Zürcher Publikum? Hier war davon nichts zu spüren.
Als zweiten Song spielten Hot Hot Heat "Goodnight, Goodnight", die erste Single des neuen Albums "Elevator". Zwei Knaller gleich am Anfang? HHH können sich das leisten, denn in ihrem Repertoire gibt's gar nichts anderes! Und da wären wir auch schon beim einzigen, wenn auch klitzekleinen Kritikpunkt angelangt. Bei soviel Hits nacheinander wäre zwischendurch mal eine kurze Verschnaufpause, vielleicht in Form einer Variation oder einer Verlängerung eines Songs angebracht. Fehlanzeige, HHH pauken sich durch ihr Programm, spielen einen tollen Song am anderen (einzig "Shame On You" hab ich vermisst) und gönnen weder sich noch uns eine Pause. Aber wie gesagt, wirklich dramatisch ist das nicht, zumal die Band auch nach einer guten Stunde die Bühne verliess, nicht ohne mit "Bandages" dem Publikum nochmals derart einzuheizen, dass es gar nicht anders konnte als die Band zu einer Zugabe rauszulocken. Die gaben HHH dann auch bereitwillig und spielten endlich "Oh, Goddammit", mit dem - wie bereits erwähnt - für mich alles begann. Bevor "Running Out Of Time" den Abend beendete wurde noch "Elevator" dargeboten, dieser fantastische Pop-Song, den Robbie Williams so gerne in seinem Repertoir hätte. Zum Schmelzen schön...
(Um das gleich klarzustellen: ich hab mich nicht in HHH verliebt an diesem Abend; ich war mit meiner Freundin da und wir sind auch wieder gemeinsam nach Hause gefahren! Aber es war wirklich einfach ein verdammt gutes Konzert...)
www.hothotheat.com
www.thefeveronline.com
www.thedeparture.co.uk
www.abart.ch



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