19. Juni 2006
B-SIDES - Der Festival-Report
Mit dem hehren Vorsatz, sich als Alternative (oder eher Ergänzung) zu den geschmackvoll programmierten und liebevoll durchgeführten Indie-Festivals wie Bad Bonn Kilbi oder For Noise Festival zu etablieren, ist das B-Sides Festival am vergangenen Wochenende zum ersten Mal an den Start gegangen. Nun, was die Wahl des Geländes betrifft, so haben die Veranstalter gleich mal den Jackpot geknackt. Der Sonnenberg bei Kriens (LU) ist sowas wie ein kleiner Gurten, die Anfahrt im Bähnli machte das Festival schon vor der Kasse zum Erlebnis und oben angekommen fühlte man sich sogleich rundum wohl.
Leider war der Beginn des Festivals am Freitag etwas früh angesetzt. Tunica Dartos standen kurz nach 4 auf der Bühne, weshalb ich deren Auftritt gänzlich verpasste. Auch die Kronzeugen wurden viel zu früh auf die Bühne geschickt, wobei die Veranstalter sich dadurch wohl erhofften, dass die mittlerweile recht zahlreiche Kronzeugen-Gefolgschaft frühzeitig erscheinen und so das Gelände schon früh etwas füllen würde. Falsch gedacht, Kronzeugen spielten vor ein paar wenigen Zuschauern, auch ich stiess spät dazu und sah gerade noch die letzten 2, 3 Songs. Druckvoll wie eh und je, aber mittlerweile fast ein wenig zu routiniert (die Setlist ist meines Wissens seit über einem Jahr dieselbe) bewiesen sie wieder mal ihre Klasse, die es verdient hätte, endlich auch ausserhalb der Region Luzern präsentiert zu werden.

Anschliessend spielte im kleinen "Schüür On The Roxx"-Zelt die erst kürzlich gegründete "Allstar-Band" Never Say Die mit Tobi Gmür (ehemals Mothers Pride und TobTob And The 1234s) am Schlagzeug sowie Guido Röösli und Kili (beide ehemals bei Suchas tätig) an Bass bzw. Gitarre. Zu hören gab's schnörkellosen poppigen Punkrock, ein musikalisches Häppchen für Zwischendurch quasi, das schmeckte aber dem Körper nicht allzu viele Nährstoffe abzugeben vermochte. Gitarrenlastig, aber deutlich tanzbarer ging's dann auf der Hauptbühne mit Disco Drive aus Italien weiter. Post-Punk à la Gang Of Four ist ihr Ding, wenn ihr eine Referenz jüngeren Datums braucht, dann würde ich Q And Not U nennen. Das Trio hatte den fiesesten Sound des ganzen Festivals, die Gitarre bohrte sich geradezu in die Gehörgänge, dafür hatte es auch die mitreissendsten Rhythmen (der Schlagzeuger wurde immer wieder vom Gitarristen an einem zweiten Drumkit unterstützt). Auch wenn sich mit der Zeit eine gewisse Monotonie einschlich, waren Disco Drive für mich das erste Highlight des Festival.
Zu diesem Zeitpunkt, es war nun etwa 8 Uhr abends, hatten sich vielleicht rund 300 Personen auf dem Sonneberg eingefunden, was zwar ok war, aber doch noch etwas unter den Erwartungen der Veranstalter. Es sollten noch vielleicht 100 mehr werden im Verlauf des Abends, aber der einsetzende Regen dürfte auch viele davon abgehalten haben, überhaupt noch die Reise nach Kriens anzutreten. Sie verpassten dadurch einen sehr schönen Solo-Auftritt von Polar, der auch einen Vorgeschmack auf sein im August erscheinendes neues Album gab, auf welchem er erstmals französisch singen wird.

Mit einer Coverversion von Grauzones "Eisbär" beendete er sein Set und machte die Hauptbühne frei für die Berner Garagen-Rock'n'Roller The Monsters. Nach dem kurzen meteorologischen Gewitter am frühen Abend, war es nun ein musikalisches, das über die B-Sides-Besucher hereinbrach. Dreckig, verzerrt bis zum Anschlag und ohne Rücksicht auf Ohrenschäden rockten die Berner alles in Grund und Boden und sorgten für einen gelungenen Abschluss des ersten B-Sides-Tages. (Im Zelt standen im Verlauf des Abends noch eine musikalisch untermalte Lesung von Elsa Fitzgerald sowie ein Auftritt des Splätterlitheaters auf dem Programm, beides hab ich aber verpasst).
Am Samstag spielte ab halb drei El Ritschi, der Sänger von Jolly & The Flytrap, was leider kaum jemanden zum frühzeitigen Erscheinen animiert hat. So spielte dann auch der erste Act auf der Hauptbühne, Big Pants, noch vor recht leeren Rängen. Die Ein-Mann-Show hätte eigentlich mehr Leute verdient gehabt, denn die Mischung aus französischem Indie-Pop à la Phoenix und elektronischen Klängen war eigentlich klasse, stiess aber nicht ganz auf die verdiente Resonanz. Auch Modom, die danach im Zelt antraten, entfachten mit ihren Geräuschcollagen nicht gerade Begeisterung, stiessen jedoch auf interessierte Ohren. Zhivago, anschliessend auf der Hauptbühne, hätten dann das Zeug zum Begeisterung entfachen gehabt, leider machten ihnen die aufkommenden Sturmböen und kräftigen Regengüsse einen Strich durch die Rechnung. Ein Teil des Publikums rettete sich zwar unters Bühnenvordach, der Rest jedoch ins Zelt oder zu den Bars, so dass viele das Konzert bloss aus der Ferne mitverfolgen konnten. Der recht eigenwillige Indie-Rock der Band rund um den ehemaligen Supernova-Sänger Philipp Laffer (dessen Stimme nicht bei allen auf Gefallen stösst, immerhin aber deutliche Akzente zu setzen vermag) braucht etwas mehr Aufmerksamkeit als man ihm angesichts der Wettersituation entgegenbringen konnte. Werd ich mit bei nächster Gelegenheit aber sicher noch mal anschauen.
Im Zelt stiessen dann Mikromops mit ihrem deutschsprachigen Elektro-Pop auf Wohlwollen, jedenfalls fragten anschliessend auffällig viele Leute, wo man denn deren CD kaufen könne. Auf der Hauptbühne machten sich derweilen Honey For Petzi bereit, eine Band die in Luzern immer wieder ein gern gesehener Gast ist. Mit einem neuen, deutlich Disco-lastigen Song begannen sie ihr Set, anschliessend spielten sie sich querbeet durch ihre Alben und begeisterten einmal mehr mit ihrem vertrackten Post-Rock. Straighter, aber nicht weniger druchvoll gingen die Luzerner Highfish im Zelt ans Werk, ihr Gemisch aus Stoner-Rock, Punk'n'Roll und einer Prise Hard-Rock liess die letzten Regentropfen schlagartig verdampfen.

Die Weirdos von Quit Your Dayjob sorgten danach auf der Hauptbühne für Vergnügen, allerdings fand ich sie wie auf Platte auch auf der Bühne höchstens 15 Minuten lang witzig. Mehr Spass machte da der "Alleinunterhalter" Urban Jr. im Zelt. Urlaub in Polen schliesslich beendeten das B-Sides mit ihrer tanzbaren Mischung aus Krautrock, Dub und Industrial-Klängen.
Fazit des ersten B-Sides-Festivals: Stimmung war trotz etwas zu geringem Publikumsaufmarsch gut (klar, es war ja auch fast sowas wie ein "Familienausflug" der Luzerner Musikszene), das Gelände und das Programm haben sich bewährt. Lobend muss an dieser Stelle noch der Moderator erwähnt werden, der kompetent und ohne aufgesetztes "Witzigseinmüssen" (eine Krankheit an der leider allzu viele Moderatoren leiden) durchs Programm führte. Freuen wir uns also aufs B-Sides 2007, mit besserem Wetter und hoffentlich etwas mehr Leuten.
www.b-sides.ch
(Fotos: Urs Arnold)
Leider war der Beginn des Festivals am Freitag etwas früh angesetzt. Tunica Dartos standen kurz nach 4 auf der Bühne, weshalb ich deren Auftritt gänzlich verpasste. Auch die Kronzeugen wurden viel zu früh auf die Bühne geschickt, wobei die Veranstalter sich dadurch wohl erhofften, dass die mittlerweile recht zahlreiche Kronzeugen-Gefolgschaft frühzeitig erscheinen und so das Gelände schon früh etwas füllen würde. Falsch gedacht, Kronzeugen spielten vor ein paar wenigen Zuschauern, auch ich stiess spät dazu und sah gerade noch die letzten 2, 3 Songs. Druckvoll wie eh und je, aber mittlerweile fast ein wenig zu routiniert (die Setlist ist meines Wissens seit über einem Jahr dieselbe) bewiesen sie wieder mal ihre Klasse, die es verdient hätte, endlich auch ausserhalb der Region Luzern präsentiert zu werden.

Anschliessend spielte im kleinen "Schüür On The Roxx"-Zelt die erst kürzlich gegründete "Allstar-Band" Never Say Die mit Tobi Gmür (ehemals Mothers Pride und TobTob And The 1234s) am Schlagzeug sowie Guido Röösli und Kili (beide ehemals bei Suchas tätig) an Bass bzw. Gitarre. Zu hören gab's schnörkellosen poppigen Punkrock, ein musikalisches Häppchen für Zwischendurch quasi, das schmeckte aber dem Körper nicht allzu viele Nährstoffe abzugeben vermochte. Gitarrenlastig, aber deutlich tanzbarer ging's dann auf der Hauptbühne mit Disco Drive aus Italien weiter. Post-Punk à la Gang Of Four ist ihr Ding, wenn ihr eine Referenz jüngeren Datums braucht, dann würde ich Q And Not U nennen. Das Trio hatte den fiesesten Sound des ganzen Festivals, die Gitarre bohrte sich geradezu in die Gehörgänge, dafür hatte es auch die mitreissendsten Rhythmen (der Schlagzeuger wurde immer wieder vom Gitarristen an einem zweiten Drumkit unterstützt). Auch wenn sich mit der Zeit eine gewisse Monotonie einschlich, waren Disco Drive für mich das erste Highlight des Festival.
Zu diesem Zeitpunkt, es war nun etwa 8 Uhr abends, hatten sich vielleicht rund 300 Personen auf dem Sonneberg eingefunden, was zwar ok war, aber doch noch etwas unter den Erwartungen der Veranstalter. Es sollten noch vielleicht 100 mehr werden im Verlauf des Abends, aber der einsetzende Regen dürfte auch viele davon abgehalten haben, überhaupt noch die Reise nach Kriens anzutreten. Sie verpassten dadurch einen sehr schönen Solo-Auftritt von Polar, der auch einen Vorgeschmack auf sein im August erscheinendes neues Album gab, auf welchem er erstmals französisch singen wird.

Mit einer Coverversion von Grauzones "Eisbär" beendete er sein Set und machte die Hauptbühne frei für die Berner Garagen-Rock'n'Roller The Monsters. Nach dem kurzen meteorologischen Gewitter am frühen Abend, war es nun ein musikalisches, das über die B-Sides-Besucher hereinbrach. Dreckig, verzerrt bis zum Anschlag und ohne Rücksicht auf Ohrenschäden rockten die Berner alles in Grund und Boden und sorgten für einen gelungenen Abschluss des ersten B-Sides-Tages. (Im Zelt standen im Verlauf des Abends noch eine musikalisch untermalte Lesung von Elsa Fitzgerald sowie ein Auftritt des Splätterlitheaters auf dem Programm, beides hab ich aber verpasst).
Am Samstag spielte ab halb drei El Ritschi, der Sänger von Jolly & The Flytrap, was leider kaum jemanden zum frühzeitigen Erscheinen animiert hat. So spielte dann auch der erste Act auf der Hauptbühne, Big Pants, noch vor recht leeren Rängen. Die Ein-Mann-Show hätte eigentlich mehr Leute verdient gehabt, denn die Mischung aus französischem Indie-Pop à la Phoenix und elektronischen Klängen war eigentlich klasse, stiess aber nicht ganz auf die verdiente Resonanz. Auch Modom, die danach im Zelt antraten, entfachten mit ihren Geräuschcollagen nicht gerade Begeisterung, stiessen jedoch auf interessierte Ohren. Zhivago, anschliessend auf der Hauptbühne, hätten dann das Zeug zum Begeisterung entfachen gehabt, leider machten ihnen die aufkommenden Sturmböen und kräftigen Regengüsse einen Strich durch die Rechnung. Ein Teil des Publikums rettete sich zwar unters Bühnenvordach, der Rest jedoch ins Zelt oder zu den Bars, so dass viele das Konzert bloss aus der Ferne mitverfolgen konnten. Der recht eigenwillige Indie-Rock der Band rund um den ehemaligen Supernova-Sänger Philipp Laffer (dessen Stimme nicht bei allen auf Gefallen stösst, immerhin aber deutliche Akzente zu setzen vermag) braucht etwas mehr Aufmerksamkeit als man ihm angesichts der Wettersituation entgegenbringen konnte. Werd ich mit bei nächster Gelegenheit aber sicher noch mal anschauen.
Im Zelt stiessen dann Mikromops mit ihrem deutschsprachigen Elektro-Pop auf Wohlwollen, jedenfalls fragten anschliessend auffällig viele Leute, wo man denn deren CD kaufen könne. Auf der Hauptbühne machten sich derweilen Honey For Petzi bereit, eine Band die in Luzern immer wieder ein gern gesehener Gast ist. Mit einem neuen, deutlich Disco-lastigen Song begannen sie ihr Set, anschliessend spielten sie sich querbeet durch ihre Alben und begeisterten einmal mehr mit ihrem vertrackten Post-Rock. Straighter, aber nicht weniger druchvoll gingen die Luzerner Highfish im Zelt ans Werk, ihr Gemisch aus Stoner-Rock, Punk'n'Roll und einer Prise Hard-Rock liess die letzten Regentropfen schlagartig verdampfen.

Die Weirdos von Quit Your Dayjob sorgten danach auf der Hauptbühne für Vergnügen, allerdings fand ich sie wie auf Platte auch auf der Bühne höchstens 15 Minuten lang witzig. Mehr Spass machte da der "Alleinunterhalter" Urban Jr. im Zelt. Urlaub in Polen schliesslich beendeten das B-Sides mit ihrer tanzbaren Mischung aus Krautrock, Dub und Industrial-Klängen.
Fazit des ersten B-Sides-Festivals: Stimmung war trotz etwas zu geringem Publikumsaufmarsch gut (klar, es war ja auch fast sowas wie ein "Familienausflug" der Luzerner Musikszene), das Gelände und das Programm haben sich bewährt. Lobend muss an dieser Stelle noch der Moderator erwähnt werden, der kompetent und ohne aufgesetztes "Witzigseinmüssen" (eine Krankheit an der leider allzu viele Moderatoren leiden) durchs Programm führte. Freuen wir uns also aufs B-Sides 2007, mit besserem Wetter und hoffentlich etwas mehr Leuten.
www.b-sides.ch
(Fotos: Urs Arnold)





Kommentare
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