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Die erträgliche Leichtigkeit des Seins.
20 Jahre Yo La Tengo feiern wir dieses Jahr und das schönste Geschenk machen sich das Ehepaar Ira Kaplan und Georgia Hubley sowie ihr langjähriger Partner am Bass, James MacNew (dessen Lo-Fi-Solo-Projekt Dump übrigens absolut entdeckenswert ist, erwähnenswert ist insbesondere sein Prince-Coveralbum "That Skinny Motherfucker With The High Voice?"), mit "I Am Not Afraid Of You And I Will Beat Your Ass" gleich selbst. Nicht nur dass sie ihrer Jubiläumsplatte den coolsten Titel des Jahres verpasst haben, nein, sie füllen sie auch mit 15 wunderbaren, total unterschiedlichen Songs, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: die Lust am Stöbern im reichhaltigen Fundus von bald 50 Jahren Pop- und Rockmusik.

Der erste Song "Pass The Hatchet, I Think I'm Goodkind"
überschreitet die zehn-Minuten-Marke, ohne dass darin besonders viel passieren würde. Ein einziges Bassriff zieht sich durch den Song, der Gesang setzt fast unbemerkt ein und wieder aus, die Gitarre setzt zu einem ellenlangen Solo an, gelegentlich wird etwas Percussion eingestreut. Wow, so einen Song als Opener zu wählen, DAS ist Indie, meine Damen und Herren! Mit "Beanbag Chair"
folgt dafür gleich anschliessend ein niedlicher Pop-Song, wie ihn auch Belle And Sebastian hätten schreiben können und mit "Feel Like Going Home" wird eine wunderschöne ruhige Piano-Ballade, gesungen von Georgia Hubley nachgeschoben. "Mr. Tough" ist ein tanzbarer, souliger Popsong mit Falsett-Gesang, Bläsern und einer Klavier-Figur wie aus Joe Jacksons Album "Night And Day". "Black Flowers" klingt als ob Daniel Johnston im Studio vorbei geschaut und einen Song eingespielt hätte, "The Race Is On Again" ist sowas wie Up-Beat-Easy-Listening, "The Room Got Heavy" schlägt dann psychedlische Töne an. Wieder ist Georgia für den Gesang zuständig, der Song entwickelt einen anständigen Sog Richtung Tanzfläche, welche in diesem Fall aber nicht vom Stroboskop sondern von Lavalampen beleuchtet werden sollte. Mit "Daphnia" folgt etwas später ein neunminütiges, spärlich instrumentiertes aber umso atmosphärischeres Etwas aus Gitarre, Piano und Knistern. "I Should Have Known Better" entstammt dann wieder der Belle And Sebastian-Schublade, diesmal wird noch ein Gang höher geschaltet und ausnahmsweise knüpft der nächste Song an der Gangart an, mit "Watch Out For Me Ronnie" folgt nämlich verzerrter Garagenrock mit Bläsern. Mit "Point And Shoot" gibt's kurz vor Schluss ein weiteres, schwer schubladisierbares Highlight, dem es irgendwie gelingt, Jazz, Surf und Indierock unter einen Hut zu bringen, bevor das Album mit dem zwölfminütigen "The Story Of Yo La Tango", das sich nochmals so richtig exzessiv der Lust am Lärmen hingibt, ausklingt.

So unterschiedlich die Songs auch sein mögen, Yo La Tengo drücken ihnen mit der wunderbar lakonischen Inszenierung ihren ureigenen Stempel auf und lassen "I Am Not Afraid..." dadurch viel homogener klingen, als es eigentlich ist. Manch einem mag die entspannte Herangehensweise etwas zu beliebig vorkommen, ich aber kann nicht anders, als Yo La Tengo für dieses augenzwinkernde Kleinod minutenlang zu applaudieren.

9/10

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