Weder einschläfernd noch berauschend: Valiumspeed's viertes Album bietet eingängigen Folk-Pop.
Dass die Luzerner Rockszene viel zu bieten hat, ist mittlerweile auch in anderen Teilen des Landes bekannt. Dass Luzern aber auch mit poppigeren Tönen überzeugen kann, beweist "Magenta Drive", das vierte Album von Valiumspeed.

Nach einem kurzen Piano-Intro folgt mit "If And Then" ein prächtiger Einstieg. Emotional und rockig, schön wie Gitarren-Riff und Basslauf sich ergänzen. Einzig auf die Mandoline im Refrain sowie den "Ah-ah"-Chor könnte ich verzichten, an der Qualität des Songs ändert das aber nichts. Ebenso gut, wenn nicht gar besser ist das drauffolgende, ruhigere "Sad, So Sad", das mich (vielleicht nur wegen des Titels) an "Fast, So Fast" von Last Days Of April erinnert. Mit dem anschliessenden "Untitled Folksong" folgt der vielleicht beste Song des Albums, wobei er sich mit dem übernächsten Song "World Of Wonder" um diesen Titel streitet. Letzterer fiel mir übrigens schon vor Monaten im Tagesprogramm von Radio 3fach positiv auf. Einer dieser Songs den man hört und von dem man sofort wissen möchte, von wem er stammt.

Leider fällt das Album nach diesem wirklich gelungenen Auftakt etwas ab. Mit dem ruhigeren "Last Night I Saw My Guiding Light" kann ich ebensowenig anfangen wie mit dem leicht countryesken "Fake A Heart", in welchem Sänger Daniel Stoller die Silben etwas zu weit dehnt, so wie man das zuweilen auch von Dada Ante Portas kennt. Und auch die mal bluesigen, mal eher jazzigen Interludes stören das Gesamtbild eher, als das sie es abrunden. Dafür vermag mich das leicht mysteriöse "Sleeping" wieder zu überzeugen, das mich an eine konventionellere Variante der frühen dEUS erinnert. Sehr gelungen ist auch "Never Be The Same", in dem die Band zur Abwechlsung die Verstärker mal richtig aufreisst. Schade nur, dass sie die Akustik-Gitarre bei diesem Song nicht ganz weggelassen haben. Insbesondere am Schluss, wenn Stoller schreit und die verzerrte Gitarre schrammelt wirkt die ebenfalls schrammelnde Akustische deplaziert beziehungsweise unnötig besänftigend.

Einen schönen Abschluss bildet schliesslich "Orbit The Sun". Ein sanfter Folk-Song mit Gitarren-Picking und netter Piano-Melodie, der immer wieder ins leicht schräg-mysteriöse abdriftet.

Hoch anzurechnen ist der Band (und "Aufnahmeleiter" Deezl), dass sie die Songs nicht in ein Hochglanz-Kostüm verpackt hat um daraus - wie dies wohl eine Major-Band getan hätte (bzw. hätte tun müssen) - überfrachtete Möchtegern-Hits zu zimmern. Dass die Instrumentierung und die Arrangements zuweilen etwas gar konventionell wirken, ist verzeihlich. Unterm Strich bleibt nämlich ein inspiriertes und inspirierendes Pop-Album.

7/10

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