Thrice sind erwachsen geworden.
Screamo ist der Grunge dieses Jahrzehnts. Was mit The Used, Funeral For A Friend oder eben Thrice noch innovativ und frisch begonnen hatte, ist inzwischen zur kommerziellen Allzweckwaffe verkommen. Krachende Riffs, ein schreiender Gitarrist, ein darauffolgender Mitsing-Refrain, dazwischen mal ein Iron Maiden Solo. Fast schon wöchentlich spriessen sie aus dem Boden, die verzweifelten Buben mit soooo viel Wut und Herzschmerz im Bauch, schwarz gefärbten Haaren und angesagten Buttons auf der Secondhand-Jacke. Da kommt das dritte Album von Thrice gerade recht.

Dass Screamo Bands sich weiterentwickeln können, haben in diesem Jahr bereits Finch eindrücklich unter Beweis gestellt. Emo war gestern, die Gegenwart heisst Prog. Mag wohl einerseits daran liegen, dass man mit den Deftones auf Tour war. Andererseits haben die vier Kalifornier kapiert, wie sehr ihr altes Genre ausgereizt ist. Teilweise klingt „Vheissu“ beinahe so, als würden Dredg ihre Gitarren mal kräftig audrehen. Hier wird nicht mehr einem bestimmten Song Schema gefolgt. Metal-Soli sind sogar vollends von der Bildfläche verschwunden. Noch am ehesten nach den alten Thrice klingt der Opener „Image Of The Invisible“. „For Miles“ ist das vermutlich beste und intensivste Thrice-Stück überhaupt, mit einem Chorus, für den andere morden würden. „Music Box“ klingt fast schon nach Oceansize in ihren eingängigen Momenten. Ausserdem ist ungewohnt häufig ein Piano zu hören, was den Songs noch mehr Ideenreichtum verleiht.

Eine Entwicklung, wie es bei Thrice der Fall ist, wäre noch einigen Scremo-Bands zu wünschen. Da dies aber vermutlich nicht sehr oft der Fall sein wird, ist „Vheissu“ umso mehr hervorzuheben. Mit Sicherheit eines der besten Alben des Jahres aus dieser Sparte.

8/10

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