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Schwarze Schokolade.
Nach dem Konzert von Logh im Januar im Salzhaus in Winterthur hab ich ein wenig mit deren Bassisten Mathias Oldén geplaudert. Er meinte, dass er - der auch als Tontechniker arbeitet - kürzlich eine Platte aufnahm, die er als das bislang beste von ihm betreute Werk betrachtet: "Radiola", das Zweitwerk von The Fine Arts Showcase.

Ein paar Monate später liegt besagtes Werk endlich vor und wie ihr bereits feststellen konntet (hier und hier), bin ich ihm verfallen. Es ist an sich nicht perfekt, denn es finden sich darauf zuviele unnötige Instrumentals (drei an der Zahl), aber die restlichen 30 Minuten, verteilt auf 9 Songs, haben es in sich. "The Shoplifter's Union", der erste reguläre Track (dessen Titel wohl durch The Smiths "Shoplifters Of The World Unite"inspiriert ist), beginnt leichtfüssig und verträumt, ehe Gustaf Kjellvanders Stimme einsetzt. In dem Moment packt mich die Platte immer wieder, heftig und unvermittelt. Diese Stimme! Dunkel, fast schon erhaben, irgendwo in der Schnittmenge von Paul Banks, Nick Cave, Jarvis Cocker, Leonard Cohen und Scott Walker. Die Stimme ist es denn auch, die sich wie ein roter Faden durch die Platte zieht, denn musikalisch beackert Kjellvander ein breites Feld, von Pop über Folk bis Lo-Fi-Elektronik, so dass einem beim Hören von Radiola die unterschiedlichsten Referenzen in den Sinn kommen: Pulp, Divine Comedy, Isolation Years, The Flaming Lips, The National, einmal sogar die prinzipiell unsäglichen Reamonn (die Single "Chemical Girl"
hat ein wenig was von deren Hit "Supergirl", ist aber natürlich viel viel besser) oder Leonard Cohen. Alles nur geklaut also? Eben nicht! Kjellvander bzw. The Fine Arts Showcase versteht es bestens, aus all dem etwas Eigenes zu kreieren. Sagt natürlich einer, der bereits angefixt und deshalb etwas verblendet ist, aber ich bin ja grundsätzlich kritisch und hätte ich von Beginn an das Gefühl gehabt, dass hier einer sich einfach schamlos und uninspiriert bei anderen bedient, hätte mich "Radiola" gar nie anfixen können...

Mathias Oldén, der das Album aufgenommen und die Hälfte der Songs auch abgemischt hat (die andere Hälfte übernahm Pelle Gunnerfeldt), hat die Songs in ein angenehm rauhes Gewand gesteckt, was den oft zuckersüssen Melodien die nötige Portion Bitterkeit beimischt. "Radiola" ist sowas wie die akustische Umsetzung einer zartbitteren schwarzen Schokolade (mit hohem Kakao-Anteil), die je nach Song noch mit Chili oder Pfefferminz, mit Orange oder mit Nüssen angereichtert wird. Lecker!

9/10

Ähnliche Interpreten:
siehe oben...

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