Schelmischer Folk-Pop mit Pauken und Trompeten und einem Hang zur Theatralik.
Herzstück von "Picaresque" ist der fast neunminütige Song "The Mariner's Revenge Song", der die absurde Geschichte eines Seemanns erzählt, der im Bauch eines Walfischs auf den Mann trifft, der einst seine Mutter ins Unglück gestürzt hat. Die letzten Worte der Mutter, die den Seemann seit ihrem Ableben verfolgten, waren:

"Find him, bind him, tie him to a pole
And break his fingers to splinters
Drag him to a hole until he wakes up naked
Clawing at the ceiling of his grave!"

Nicht nur diese tragikomische Geschichte, sondern auch das Artwork, das die Band als Theatertruppe abbildet, die Szenen aus den Songs nachspielt, macht klar, dass wir es hier mit einem ganz und gar ungewöhnlichen Album zu tun haben. Vielseitig instrumentiert (nebst Pauken und Trompeten kommen auch Streicher und Akkorden zum Einsatz), abwechslungsreich arrangiert, ergreifend erzählt. Als letztes Tüpfelchen auf dem i wurde das Album von Chris Walla (Death Cab For Cutie) produziert, der den verschiedenen Instrumenten viel Platz lässt und das Album organisch klingen lässt, genauso wie es sein muss. Wunderbar melancholische Folk-Songs wie "Eli, The Barrow Boy" wechseln sich ab mit flotteren Pop-Songs wie "The Sporting Life" oder Beatles-Reminiszenzen wie "16 Military Wives". Und der bereits erwähnte "Mariner's Revenge Song" wandert gar auf Polka-Pfaden. The Decemberists mögen dem ein oder anderen zu versponnen sein, andere werden sie deswegen lieben. Anders sein ist was Schönes, nicht?

8/10

Ähnliche Interpreten:
Neutral Milk Hotel
The Shins
The Beatles

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