Die letzten Mohikaner des Midwest-Emo könnens noch immer.
The Appleseed Cast sind eine der ganz wenigen, wenn nicht sogar die einzige Band, die von den sogenannten Midwest-Emo-Truppen übrig geblieben ist. Die Musik, welche der Vierer macht, ist jedoch längst kein Emo mehr, jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Man hat sich konsequent weiter entwickelt, vom Mineral-artigen „End Of The Ring Wars“, über das epische Doppelalbum „Low Level Owl 1 & 2“, bis zum verhältnismässig eingängigen „Two Conversations“. Wie klingt also nun „Peregrine“? Am besten trifft man’s wohl so: Eine Mischung aus den letzten beiden Alben. Schwerer zugänglich als „Two Conversations“, nicht ganz so ausschweifend wie „Low Level Owl“. Oder kurz gesagt: Nahe bei „Mare Vitalis“.

„Peregrine“ ist dann am besten, wenn es von Anfang bis Ende durchgehört wird. Eine Singles-Band waren The Appleseed Cast noch nie. Werden sie wohl auch nie sein. Der Gesang steht selten im Mittelpunkt, stattdessen wird einer dichten Atmosphäre Platz gemacht. Und darin sind The Appleseed Cast weiterhin hervorragend. Keine andere Band klingt so hallgeschwängert, jedoch weit weg von irgendwelchen billigen U2-Verschnitten oder gar Kitsch. Den gesangslosen Beginn „Ceremony“ hätten selbst Mogwai nicht besser hingekriegt, das darauffolgende „Woodland Hunter (Part I)“ zeigt, dass es TAC auch auch schneller können. „Silas’ Knive“ ist der wohl beste Song der Platte, mit überraschendem Tempowechsel und einem genialen Refrain. Mit elektronischen Klängen kommt „Mountain Halo“ etwas gewöhnungsbedürftig daher, dafür entschädigt aber gleich „Sunlit And Ascending“. Neben dem Opener sind mit „An Orange And Blue“ und dem abschliessenden „The Clock And The Storm“ noch zwei weiter Instrumental-Stücke vertreten. „Song 3“ (hat wohl nichts mit Blur zu tun) entpuppt sich nach einiger Zeit als heimlicher Hit, der zweite Teil von „Woodland Hunter“ ist einfach nur schön.

Das fünfte Werk von The Appleseed Cast passt eigentlich besser zu trübem Nebelwetter als zum anstehenden Frühling. Es ist weder ihr einfachstes, noch ihr poppigstes Album, sondern ganz einfach das vielseitigste und beste!

8/10

Ähnliche Interpreten:
A Red Season Shade
The Gloria Record
A Season Drive
Mogwai

www.theappleseedcast.com