Die ehemaligen Pioniere schwimmen nun mit der Masse.
„Tell All Your Friends“ war eine kleine Revolution des Emo Genres. Wie das mit herausragenden Platten so üblich ist, brachte sie zahlreiche Nachahmer mit sich. Und zwar meistens deutlich schlechtere. Mit „Where You Want To Be“ kam dann die dicke Produktion und der damit verbundene Durchbruch. Leider hatte der Nachfolger nicht die unvergesslichen Hymnen, und schon gar nicht den ungestümen Charme von „Tell All Your Friends“. Dieser Charme bestand vor allem aus den wild durcheinander gesungenen Vocals. Das war irgendwie anders als das übliche „Einer schreit, der andere singt“ Schema. Dieses Markenzeichen rückte bei „Where You Want To Be“ mehr in den Hintergrund.

„Louder Now“ heisst also die Neue. Sänger und Chefleider Adam Lazzara meinte, dass dieser Titel am besten zur neuen musikalischen Härte passe. Härte? Naja, das ist bis zu einem gewissen Grad schon Ansichtssache, aber härter als die alten TBS-Werke ist „Louder Now“ bestimmt nicht. Die Produktion glänzt noch ein bisschen mehr als beim Vorgänger, wofür sich Eric Valentine (Good Charlotte, Lostprophets) verantworten muss. Gitarrist Fred Mascherino versicherte, dass Louder Now „ganz einfach eine Rockplatte“ sei. Schubladen sind für Musiker was Beschissenes, aber Taking Back Sunday sind nun mal Emo. Mehr noch, sie sind die Superstars der Emoszene, die Schuldigen für Hawthorne Heights und andere Klone. Dass sie immer noch gute Songs schreiben können, beweisen sie mit „Make Damn Sure“, „Error: Operator“ oder dem mit seinem Glockenspiel arg nach Jimmy Eat World klingenden „Divine Intervention“.

„Tell All Your Friends“ war eine Scheibe mit zehn Songs für die Ewigkeit. Natürlich macht eine Band so eine Platte nicht alle zwei Jahre. Aber Taking Back Sunday können mehr. Vielleicht liefern sie den Beweis beim nächsten Mal.

5/10

Ähnliche Interpreten:
Hawthorne Heights
Brand New
Hidden In Plain View

www.takingbacksunday.com