Brit-Pop für Erwachsene.
Das waren noch Zeiten, als sich Mitte der Neunziger Blur und Oasis eine Medien-Schlacht um die Vorherrschaft im sogenannten „Brit-Pop“ stritten. Die besseren Alben veröffentlichten schon damals Supergrass und heute, wo Blur nur noch ein Gorillaz-Nebenprojekt darstellen und Oasis ein Abklatsch ihrer selbst, haben Supergrass sowieso die Nase vorn. Und dies, obwohl sie sich auf „Road To Rouen“ fernab vom bisher bekannten Power-Pop bewegen und sich eher ruhigeren, gemächlicheren Tönen zuwenden. Nach der letztjährigen Best-Of-Platte zum Anlass des zehnjährigen Bestehens der Band packten die Briten die Chance auf eine Neuorientierung und liefern uns nun neun neue Songs, die sich in erster Linie am Pop der 70er-Jahre und all seinen Facetten orientieren. Das mag den einen oder andere Fan der frühen Werke etwas irritieren, nach dem ersten Schock kann man sich aber rasch mit der neuen Gangart anfreunden. "Sad Girl" ist ein wunderbarer Pop-Songs mit dominantem Orgel-Part, "Roxy" endet in einem furiosen Instrumental-Jam. Der Titeltrack fährt mit Funk-Rock-Riffs auf, mündet im Refrain dann aber wieder in eine schöne poppige Melodie und das anschliessende "Kick In The Teeth" ist der vielleicht rockigste Song des Albums. Schliesslich gibt's mit "Coffee In The Pot" noch ein witziges Bossanova-Instrumental und mit "Low C" einen John Lennon-Gedenksong.

Neun Songs, das mag auf den ersten Blick nach wenig aussehen. Im Falle von "Road To Rouen" sind das aber neun ganz unterschiedliche Ansätze, einen Popsong zu schreiben. Und das - nebst der Tatsache, dass hier mehr angedeutet als ausformuliert wird und somit offen ist, wohin sich die Band bewegen wird - macht dieses Album sehr viel interessanter, als man beim ersten kurzen Reinhören denken würde. Wahrlich eine Überraschung!

8/10

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