Elektronisch angehauchter Gitarrenpop: Lieblich, zuckersüss und doch unwiderstehlich.
Das kanadische Label "Arts&Crafts" hat binnen kürzester Zeit mir Releasen von Broken Social Scene, Apostle Of Hustle oder Feist auf sich aufmerksam gemacht. Auch die wenig originell benannte Band Stars ist auf "Arts&Crafts" beheimatet und ihr zweites Album "Set Yourself On Fire", welches in Nordamerika vor gut einem Jahr veröffentlicht worden ist, wurde nun für Europa von City Slang (u.a. Nada Surf, Calexico, Notwist) lizenziert. Gut so, denn ihre auf den ersten Blick reichlich gezuckerte, beim zweiten Hinhören jedoch äusserst bekömmliche Popmusik möchte ich nicht länger missen.

Streicher und Mundharmonika eröffnen den ersten Song "Your Ex-Lover Is Dead", dann setzt der (männliche) Gesang - unterstützt von Gitarre und Glockenspiel - ein, der Drummer zieht kurz an. Pause. Dann das Ganze wieder von vorne, diesmal mit weiblicher Stimme. Schliesslich - wie könnte es anders sein - singen beide gemeinsam und zum Schluss bricht der Song nochmal richtig aus, die Geiger geigen sich die Finger wund, der Drummer haut nochmal richtig rein. Ein toller Opener.

"Set Yourself On Fire", der anschliessende Titeltrack weist mit käsigen Synthies in Richtung Elektro-Pop, biegt dann aber in der Strophe und im Refrain abrupt in Richtung "flotter Pop-Punk-Rock", um gegen Schluss in einer verträumten My Bloody Valentine-Reminiszenz zu enden. Diese unerwarteten Wendungen sind es, die Stars trotz aller Süsse und Lieblichkeit den besonderen Reiz verleihen. Manchmal sind sie rhythmischer Art, wie etwa bei der Single "Ageless Beauty", bei der erst beim genaueren Hinhören auffällt, dass dem Refrain ein ziemlich eigentümliches Rhythmusgerüst zugrunde liegt. Oder stilistisch, wie beim jazzig-loungigen "The Big Fight", der gegen Schluss in einen feinen Elektro-Track umkippt.

Wenn bei "He Lied About Death" schliesslich sogar Drum'n'Bass-artige Rhythmen und ein abgefahrenes Saxophon-Solo zu hören sind, dann wird endgültig klar, wie grandios vielseitig Stars sein können. "Set Yourself..." ist ein feines Album für feine Geschmäcker. Mehr noch: eine sättigende Mahlzeit ohne Magenbrennen und Völlegefühl und dies obwohl mit Salz, Fett und Zucker nicht gespart wird!

8/10

Ähnliche Interpreten:
The Flaming Lips
The New Pornographers
My Bloody Valentine

www.arts-crafts.ca/stars