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Enthüllt.
Lasst euch vom punkigen Artwork nicht täuschen: "Rather Ripped" ist die poppigste und entspannteste Platte, die Sonic Youth je veröffentlicht haben. Die Songs haben Strophen und Refrains, sind zwischen drei und sechs Minuten lang und verzichten fast ganz auf Lärmexzesse und Feedbackorgien. Ein Narr, wer jetzt aber behauptet, Sonic Youth hätten ein knappes Vierteljahrhundert nach ihrem Debutalbum an Durchschlagskraft eingebüsst. Im Gegenteil: Indem die nach dem Abgang von Jim O'Rourke wieder zum Quartett geschrumpfte Band sich auf Melodien, Riffs und straighte Rhythmen konzentriert und auf avantgardistisches Rumgeplänkel verzichtet, hat sie ein Album geschaffen, dass man sofort mögen kann, ohne es sich erst über den Umweg des Gedankens "sind doch Legenden, muss doch einfach gut sein" erarbeiten zu müssen.

Gleich zu Beginn steht mit "Reena" ein luftiger Indie-Pop-Song, bei dem Kim Gordon beweist, dass sie nicht nur schreien und keifen, sondern auch richtig singen kann. Beim anschliessenden "Incinerate" übernimmt dann Thurston Moore das Mikrofon. Klassischer US-Indie-Rock, wie er von Sonic Youth aber auch von Yo La Tengo oder Dinosaur Jr geprägt worden ist. "Do You Believe In Rapture?" ist ein etwas introvertierterer Song, mit den typischen Flageolet-Melodien. Bei "Sleepin Around" reissen Sonic Youth die Verstärker erstmals etwas weiter auf und lassen der Velvet Underground Verehrung freien Lauf. "What A Waste" und "Jams Run Free" zeigen dann Kim Gordon wieder von ihrer besten Seite. Etwas kratzbürstiger als in "Reena", kühl und doch sehr sexy. Nebst den drei Damen von Sleater-Kinney etabliert sie sich damit definitiv zu meiner liebsten Dame im Rock-Business.

Trotz der relativ leichten Zugänglichkeit läuft "Rather Ripped" nie Gefahr, seicht zu klingen. Die Instrumentalparts sind beeindruckend dicht gewoben, man hört deutlich, wie die Band in den letzten 25 Jahren gelernt hat, sich perfekt zu ergänzen, Harmonien wie Kartenhäuser aufzubauen und wieder einzureissen und die Möglichkeiten der insgesamt 16 Saiten auszuloten.

Auf der europäischen Version findet sich zum Abschluss noch der Bonus-Track "Helen Lundeberg", ein recht sperriger Song, der leider die Atmosphäre des Albums etwas zerstört, denn mit dem ruhigen "Or" hat die Band eigentlich den perfekten Schlusssong aufgenommen. Wer also nicht unbedingt die maximale Anzahl Songs haben will, sollte sich die US-Version des Albums zulegen. Doch ob mit oder ohne "Helen Lundeberg": Auf "Rather Ripped" befindet sich kein einziger schlechter Song, kein Ausfall, ich würde gar so weit gehen und sagen: keine einzige überflüssige Note. Wer an Sonic Youth die lärmige Hülle mag, wird mit "Rather Ripped" vielleicht etwas Mühe haben. Wer hingegen den zartbitteren Kern ihrer Musik bevorzugt, für den könnte "Rather Ripped" sogar zum neuen Lieblingswerk avancieren.

PS: Hier findet ihr einen Link, über den ihr euch gleich selber ein Bild von "Rather Ripped" machen könnt.

9/10

Ähnliche Interpreten:
Velvet Underground
Yo La Tengo
Sebadoh

www.sonicyouth.com