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Das Ende einer Ära.
Mit der vorliegenden B-Seiten- und Raritäten-Compilation verabschieden sich Sonic Youth nach 15 Jahren und 10 Alben vom Label Geffen. Jenem Label also, welches dank Sonic Youths Empfehlung die damals völlig unbekannten Nirvana unter Vertrag nahm und mit "Nevermind" kurz darauf einen der grössten Erfolge der Firmengeschichte feiern durfte. Dass eine Band wie Sonic Youth überhaupt solange auf einem Major-Label veröffentlichen konnte, ist eine Kuriosität, schliesslich hat die Band trotz "Sugar Kane" nie Millionen von Alben verkauft und sie hat bis heute nicht die damalige Erwartung des Labels erfüllt, dass aus ihr mal "die neuen Pink Floyd" werden könnte (nachzulesen in den Linernotes zum Rerelase des Geffen-Debuts "Goo")...

Wem das aktuelle Album "Rather Ripped" zu songorientiert ausgefallen ist, der dürfte mit dieser Compilation glücklicher werden. Hier wurde vorab Experimentelles und Ausfransendes zusammengetragen, vermutlich wurde bei nicht wenigen der versammelten Tracks einfach mal das Aufnahmegerät angeschmissen und Sonic Youth spielten drauf los. Der Opener "Fire Engine Dream" (2003), ein Outtake von den Sessions aus denen "Sonic Nurse" hervorging, klingt jedenfalls genau so. Das Schlagzeug spielt einen stoischen Beat, der Bass begnügt sich mehr oder weniger mit einer Note, die Gitarren plinkern ein wenig rum, werden mal lauter und dann wieder leiser und dies zehn Minuten lang. Sowas macht jede Band gerne mal im Proberaum und bei Band xy von nebenan würde man vermutlich irgendwann abschalten. Aber Sonic Youth packen selbst in solch scheinbar unscheinbare Tracks immer wieder den ein oder anderen genialen Moment und vor allem schwebt über allem diese unvergleichliche Aura einer Band, die ihren ganz eigenen Sound gefunden hat. Der zweite Track "Fauxhemians" (2001) funktioniert ganz ähnlich, begnügt sich allerdings mit drei Minuten Dauer. "Razor Blade" (1994) ist ein kurzes kurioses Intermezzo mit Akustikgitarren und der erste Track mit Gesang (Kim Gordon darf ran). Das anschliessende "Blink" (1999) setzt wiederum auf Kim's Gesang, unterstützt wird dieser von spärlicher Gitarrenbegleitung und atmosphärischen Geräuschen. Mit "Campfire" (2000) und "Loop Cat" (2003) folgen wieder rein instrumentale, geräuschlastige Tracks. File under: Ambient.

"Kim's Chords" und "Beautiful Plateau" (beide 2003 als Bonus-Tracks auf der japanischen Edition von "Sonic Nurse" veröffentlicht) sind dann die ersten Tracks auf "Destroyed Room" die man trotz Verzichts auf Gesang als "Songs" bezeichnen könnte, denn sie sind viel stärker durchkomponiert als die vorherigen. Die folgenden beiden Tracks aus der Noho Furniture Session von 2003 haben wieder deutlich improvisierteren Charakter und schlagen in dieselbe Bresche wie die beiden ersten Tracks. Abgeschlossen wird "Destroyed Room" mit "Diamond Sea", bei dem man übrigens zum ersten und einzigen Mal auf dieser Compilation Thurston Moore's Stimme hört. Den Song kennt man schon vom Album "Washing Machine", hier ist er jedoch in einer noch längeren Version vertreten (25 Minuten statt "bloss" 19).

Wie schon angedeutet: Wer's ausschliesslich songorientiert mag, soll die Finger von "Destroyed Room" lassen. Sonic Youth-Einsteiger probieren's vielleicht besser mit einem der regulären Studio-Alben, zumal die doch sehr charakteristischen Stimmen von Thurston Moore und Kim Gordon auf dieser Compilation kaum je zu hören sind. Für Sonic Youth-Fans und Liebhaber experimenteller Klänge hingegen ist die Sammlung durchaus eine Empfehlung wert.

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