David Berman hat wieder mal ein paar neue Songs geschrieben und Freunde zusammengetrommelt, um Album Nr. 5 aufzunehmen.
Silver Jews bestehen hauptsächlich aus David Berman, ergänzt durch eine muntere Truppe aus rekrutierten Freunden. Steve Malkmus, Bob Nastanovich und Steve West (alles ehemalige Mitglieder von Pavement) haben seit Anbeginn der Silver Jews regelmässig mitgeholfen. Als man mit der danach gegründeten Band Pavement allerdings grössere Erfolge zu verbuchen begann, war David Berman auf andere musikalische Unterstützung angewiesen. Dieser stetige Wechsel zeigte sich auch in den veröffentlichten Alben, die zwar alle unbestritten nach Silver Jews klangen, aber dennoch immer neue Nuancen im Sound aufzeigen konnten. Das gute an Silver Jews Alben fand ich stets, dass ich wusste, was ich kriegen würde. Mit tiefer Stimmer vorgetragene Lieder, die von Melancholie, Langsamkeit und Humor nur so strotzen. Mit seinem nahe am Sprechgesang liegenden Gebrumme hat David Berman uns stets in eine andere Welt entführt. Eine traurige zwar, aber eine, in der jegliche Störgeräusche, schnelle Rhythmen oder Veränderungen fehlten – eine, in der wir uns wohl fühlten.

„Tanglewood Numbers“ ist anders! Das Tempo des ganzen Albums ist ungewohnt hoch, laute Gitarren- und andere (Stör-) Geräusche erklingen aus jeder Richtung. Auch die gesamte Produktion klingt viel roher und dreckiger. Friede, Freue, Eierkuchen – das war einmal! Als grosser Fan aller alten Silver Jews Platten (ausgenommen die frühen und katastrophalen Liveaufnahmen irgendwelcher Störgeräuschen auf „the Arizona Record“) bin ich also erstmal schockiert. „Tangelwood Numbers“ klingt ein bisschen nach den Will Oldham Palace-Platten der 90er Jahren. Keine wirkliche Überraschung also, dass auch Szenenguru Will Oldham bei der neuen Platte mitgewirkt hat.

Gibt man der Platte aber etwas Zeit, so legt sich die anfängliche Enttäuschung und man gewöhnt sich an den neuen Sound. Schon nach kurzer Zeit gefallen mir die meisten Lieder trotz der neuen, weniger harmonischen Verpackung. „Tanglewood Numbers“ ist äusserst abwechslungsreich ausgefallen. Viele Duette, zahlreiche Gitarren- und sonstige Soli, gelegentliche Country-Einflüsse, Geigen sowie die gewohnt schrägen Texte machen auch das neue Album zu einem empfehlenswerten Hör-Erlebnis.

Obwohl mit „Tanglewood Numbers“ mittlerweile wirklich gut gefällt, hoffe ich trotzdem, dass das nächste Album wieder so wird, wie die alten.

7/10

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