Traumwandlerische Pop-Exzesse.
Southside 2003, Coldplay kündigen ihren letzten Song an. Chris Martin sagt: „Nach uns spielen Sigur Ros im Zelt, die beste Band der Welt." Und schelmisch fügt er an: „nun, die zweitbeste...“. Das Zelt ist natürlich voll, aber das Konzert lässt sich auch von ausserhalb verfolgen. Fast noch schöner gar, denn Sigur Ros’ Musik könnte gar nicht besser zur Geltung kommen, als morgens um 2 bei glasklarem Sternenhimmel.

Southside und das damals aktuelle Album „( )“ war gestern, heute buhlen Sigur Ros mit „Takk“ um die Aufmerksamkeit des Reviewers. Sie tun dies gewohnt verträumt, schwebend und doch klingen sie greifbarer als noch vor 2 Jahren. Vielleicht, weil ich mich an ihren „Märchen-Pop“ gewöhnt habe, sicher aber auch weil sie ihre Songs mehr auf den Punkt komponiert haben. Statt 71 Minuten Musik verteilt auf 8 Songs gibt’s jetzt 65 Minuten in 11 Songs, einige davon kommen gar mit einer Spielzeit von weniger als 5 Minuten aus(!). Ellenlange instrumentale Intros sind seltener und der Gesang ist stärker in den Vordergrund gerückt. Eine Strategie um die Coldplay-Fans endlich für Sigur Ros zu begeistern, nachdem Chris Martin die nötige Vorarbeit geleistet hat?

„Takk“ ist sicher näher an den üblichen Pop-Hörgewohnheiten wodurch Sigur Ros leider etwas von ihrer Besonderheit einbüssen. Andererseits ist die isländische Band natürlich nur schon durch die Verwendung der selber erfundenen Sprache eigenständig genug, zudem finden sich auf "Takk" noch immer genügend ausschweifende Passagen, die - sofern man das Album in der richtigen Stimmung hört - den Hörer auf weite Reisen durch die eigene Phantasie mitzunehmen vermögen.

7/10

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