PHOENIX - It's Never Been Like That (Virgin/EMI)
Kollege Indieaner glaubt, der einzige zu sein der sich noch für Phoenix interessiert. Falsch geglaubt, auch hier hat man sich auf ein neues Werk gefreut. Ob die Freude anhält, jetzt wo ich das Album gehört habe? Eine Frage, die ich selbst noch nicht schlüssig beantworten kann. Also erst mal die Fakten: Phoenix machen jetzt lupenreinen und "klassisch instrumentierten" Indie-Pop, die Funk-, R&B- oder House-Einflüsse werden auf ein absolutes Minimum runter gefahren. Schon im Opener "Napoleon Says" fühlt man sich an die schwedischen Shout Out Louds erinnert, dieser Eindruck setzt sich auch bei den anschliessenden Songs "Consolation Prizes" (ein flotter "Feel Good Pop Song") und "Rally" (mit leicht melancholischem Unterton) fort. Erstmals (und auch zum einzigen Mal auf "It's Never Been Like That") klingt es dann mit "Long Distance Call" nach alten Phoenix. Zwar gefällt mir der kitschige Synthie-Sound in diesem Song überhaupt nicht (tönt wie eine Billig-Version der Sounds die Phoenix früher benutzten), aber wie die Akkorde durchgehend ein klein wenig zu spät gespielt werden, das hat seinen Reiz. Der neu entdeckten Melancholie frönt dann auch das ruhig vor sich hin mäandrierende und allmählich am Horizont entschwindende "One Time Too Many", das mich ein wenig an Last Days Of April erinnert. Der passende Song, um sich im Sommer auf eine Wiese zu legen und in die Wolken zu schauen. Und wenig später folgt mit "Courtesy Laughs" ein Song, der sich mit seinem stampfenden Viertel-Bass und dem fast schon furiosen Ende allmählich zum Favoriten des Albums entwickelt.
Phoenix wollten dieses Mal alles anders machen und haben deshalb vor dem Gang ins Studio auch keine Songs geschrieben. Alles enstand während der drei Monate, die sie im vergangenen Sommer in Berlin verbrachten. Songs wurden geschrieben und sogleich live eingespielt. Dadurch klingen Phoenix sehr viel organischer als je zuvor.
Und wie fällt nun die Gesamtbeurteilung aus? Ich glaub, die neugewonnene Schlichtheit von Phoenix gefällt mir. Die Band präsentiert sich in der Badehose statt im Anzug und auch wenn man darob zuerst irritiert sein mag, stellt man beim zweiten oder dritten Hinsehen (bzw. -hören) fest, dass Phoenix auch in dieser spärlichen Bekleidung eine gute Figur machen. Wer sich selbst ein Bild machen will: Drei neue Songs plus den alten Klassiker "If I Ever Feel Better" (als Referenzwert sozusagen) kann man sich hier anhören. Das Video zu "Long Distance Call" findet ihr hier.
8/10
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