Songwriter-Pop zwischen Witz und Melancholie.
Olli Schulz ist ein lustiger Kerl, das weiss jeder der ihn schon mal live erleben konnte. Aber Olli ist auch ein Melancholiker, einer der sich Gedanken zu sich und seiner Existenz macht und diese ungeschminkt vertont. Dass ihm diese Seite ebenso wichtig ist, macht er auf seinem neuen, "beigen" Album deutlich klar.

Das Album beginnt mit dem sehr schönen, sparsam instrumentierten Song "Der Film beginnt". Das folgende "Jetzt bist du gerade hier" schlägt ein flotteres Tempo an und erinnert mich ein wenig an spätere Blumfeld. Das Olli nicht nur einfach ein "Blödelbarde" sein will hat er zu diesem Zeitpunkt bereits klargemacht. "Ich nutzte meine Chance meistens eben nicht... und trotzdem bin ich irgendwo angekommen..." heisst es in "Jetzt bist du gerade hier". Keine Ironie, kein Kalauer, schlichte Gedanken zum persönlichen Dasein. Auch "Spooky Girlfriend" und "Dann schlägt dein Herz" sind "ernste" Songs. Passend dazu die durchs Band reduzierteren Arrangements der Songs. Der "Pop-Schliff" des Debut-Albums "Brichst du mir das Herz, so brech ich dir die Beine" wird deutlich abgetragen. Kaum Keyboards, einfach die akustische Gitarre im linken, die elektrische im rechten Kanal, dazwischen Bass, Schlagzeug, damit hat sich's. Diese Schlichtheit steht den Songs ausgesprochen gut.

"Die Ankunft der Marsianer" flirtet mit Country und ist der erste "spassige" Song des Albums, die Melancholie bleibt aussen vor. Gekonnt verbindet dann "Bettmensch" ("halb Mensch und halb Bett") die beiden Pole von Olli's Schaffen. Die Geschichte ist geradezu rührend gesungen und doch sowas von absurd. Leider ist der Song musikalisch einer der schwächeren des Albums, aber der Text rettet hier einiges.

Kaum zu retten ist leider das in grottenschlechtem Englisch gesungene "Human Of The Week". Ein Gag der vielleicht live lustig sein mag, auf Platte aber schon nach zwei Mal hören zu nerven beginnt. Mich zumindest... (wobei: das Intro zum Song find ich amüsant und da ohne Song kein Intro, muss ich mich halt damit abfinden...)

Zum Abschluss noch ein Song mit orientalischem Flötenpart ("Klappskalli") sowie als Hidden Trick eine irgendwie lustige Geschichte (er kann halt doch nicht anders!) und fertig ist ein ziemlich gelungenes Album das Melancholiker, schräge Typen und Singer/Songwriter-Fans gleichermassen ansprechen könnte.

7/10

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