myname

Brit-Pop made in Winterthur.
Schweizer Musiker die sich von der britischen Insel inspirieren lassen sind keine Seltenheit. Und im Falle von Fucking Beautiful, 7 Dollar Taxi oder den Protagonisten dieser Rezension, My Name Is George, klappt das sogar immer öfter sehr gut (die schlechten Beispiele aus früheren Jahren könnt ihr euch selbst ausdenken...).

Melodieselig und mit geradezu überschäumender Spielfreude hauen uns die fünf Winterthurer elf Songs um die Ohren, die tief im Pop der 60er Jahre verwurzelt sind und sich ausgiebig bei Rock, Punk, Soul und manchmal auch bei Surf und Psychedelic bedienen und die grossen Gesten nicht scheuen (in "Love Me! Love Me! Love Me!"
findet sich etwa ein Part, der wahlweise an ein Musical oder einen Abba-Song erinnert). Liebevoll arrangierte Backing Vocals, unaufdringliche und doch virtuose Einlagen an Gitarre und Orgel sowie treibende und vielseitige Rhythmen bilden das Fundament, auf dem sich Sänger Albert Den Dekkers austoben kann. Sein Gesang ist stets präsent und strahlt das nötige Quentchen Arroganz aus, das es für diese Art von Musik einfach braucht. Für meinen Geschmack ist der Gesang manchmal eine Spur zu flatterig (sprich: er übertreibt's mit dem Tremolo in der Stimme), zu quengelig oder zu kitschig (als Beispiel sei der Anfang des Songs "Take me to that place" genannt, bei dem er am Ende dann fast wie Matthew Bellamy von Muse klingt), aber er passt damit gut zur Band (und ihrem Live-Auftritt), die definitiv nicht mit kleiner Kelle anrichtet.

Aufgenommen wurde das Werk mit Hilfe von David "Admiral James T." Langhard, der dem Album nicht nur einen knackigen sondern auch einen sehr transparenten Sound verpasst hat, was das Album nicht nur zu einer Party- sondern auch zu einer Kopfhörer-Platte macht. "Modern Life Is Easy" etwa ist ein Instant-Hit der besseren Sorte, man kann dazu unverzüglich tanzen, singen, springen. Man kann aber auch hinhören und entdeckt dann ein grossartiges Gitarrenlick hier, ein hübsches Chörlein dort.

Das Krönchen setzen My Name Is George ihren Album übrigens mit dem letzten Song "Last Train To Paris" auf. Grossartiges Surf-Intro, leicht melancholische Backing Vocals von David Hangartner (Transmartha), ein dramaturgisch geschickter Songaufbau und fertig ist einer der fünf besten Songs, die hierzulande im aktuellen Jahr auf Platte gepresst worden sind. (Wer wissen will, was die anderen vier sind, soll seine Top 5 als Kommentar hinterlassen, ich werde dann meine auch preisgeben.)

8/10

Ähnliche Interpreten:
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Supergrass
The Zutons

www.mynameisgeorge.ch