15. April 2006
MORRISSEY - Ringleader Of The Tormentors (Attack/Phonag)
Fünf Millionen Dollar. Eine beachtliche Summe, nicht wahr? Diesen Betrag haben die Veranstalter des amerikanischen Coachella-Festivals den vier ehemaligen Mitgliedern von The Smiths für einen Auftritt angeboten. Johnny Marr, Mick Joyce und Andy Rourke hätten nur zu gerne zugesagt, doch der ehemalige Frontmann Steven Patrick Morrissey meinte kühl: "no". Er hätte auch gar keinen Grund gehabt, einer Reunion zuzustimmen, denn er hat gerade ein neues Album veröffentlicht, welches erstens überall auf äusserst positive Resonanz stösst und zweitens so sehr am Erbe der Smiths anknüpft, dass sich eine Reunion definitiv erübrigt. (Für ihn zumindest, Smiths-Fans werden wohl anderer Meinung sein…)
Der Einstieg fällt zwar leicht orientalisch angehaucht aus, passend zum Titel "I Will See You In Far Off Places". Eine prägnante Basslinie hämmert sich durch den Song und führt den Hörer erst mal auf die falsche Fährte (ein ähnlicher Einstieg wie ihn The Posies auf ihrem letzten Album gewählt haben). Denn anschliessend ist die Musik auf "Ringleader Of The Tormentors" eigentlich sehr konventionell ausgefallen. Balladen wie "Dear God, Please Help Me" oder "Life Is A Pigsty" wechseln sich ab mit Rockern wie der ersten Single "You Have Killed Me", wobei die Musik teilweise fast schon ein wenig altbacken klingt. "I'll Never Be Anybody's Hero Now" etwa basiert auf einer 1000 mal gehörten Akkordfolge und wäre Belanglos-Pop pur, wenn darüber nicht Morrisseys schmachtender Gesang thronen würde (dennoch ist besagter Song der schwächste des Albums). Nebst Morrisseys Stimme sorgen Details wie Streicher (von Ennio Morricone höchstpersönlich dirigiert), Kinderchöre, ein Posaunen-Solo oder Regengeräusche sowie die wuchtige aber nicht überbordende Produktion von Altmeister Tony Visconti (u.a. David Bowie, T.Rex) dafür, dass "Ringleader Of The Tormentors" eben doch mehr ist, als "nur" ein nettes Rockalbum. Es ist im Prinzip ein Smiths-Album, nur eben ohne Beteiligung der drei anderen Smiths und mit etwas ausgefeilterer Produktion.
Textlich finden sich auf "Ringleader..." politische Seitenhiebe an seine einstige Wahlheimat ("If your god bestows protection upon you, and if the USA doesn´t bomb you, I believe I will see you somewhere safe" aus "I Will See You In Far Off Places"), anatomische Geständisse ("there are explosive kegs between my legs" aus "Dear God, Please Help Me") wie auch einigermassen banale Erkenntnise, die aus Morrisseys Mund aber wie die endgültige Wahrheit klingen. "There is no such thing in life as normal" etwa singt er in "The Youngest Was The Most Loved" (nebst "The Father Who Must Be Killed" vielleicht der Song, der am deutlichsten am musikalischen Erbe der Smiths anknüpft, zumal Morrissey am Schluss mal wieder so richtig schön jodelt). Oder in "Life Is A Pigsty" heisst es "Life is a pigsty. And if you don´t know this, then what do you know?" Wenn Morrissey sowas in seiner unnachahmlichen Art singt, kann man nicht gar anders, als ihm blind zu glauben. Hier weiss einer ganz genau, dass er die erste Geige spielt.
8/10
Ähnliche Interpreten:
The Smiths
Echo & The Bunnymen
www.morrisseymusic.com
Der Einstieg fällt zwar leicht orientalisch angehaucht aus, passend zum Titel "I Will See You In Far Off Places". Eine prägnante Basslinie hämmert sich durch den Song und führt den Hörer erst mal auf die falsche Fährte (ein ähnlicher Einstieg wie ihn The Posies auf ihrem letzten Album gewählt haben). Denn anschliessend ist die Musik auf "Ringleader Of The Tormentors" eigentlich sehr konventionell ausgefallen. Balladen wie "Dear God, Please Help Me" oder "Life Is A Pigsty" wechseln sich ab mit Rockern wie der ersten Single "You Have Killed Me", wobei die Musik teilweise fast schon ein wenig altbacken klingt. "I'll Never Be Anybody's Hero Now" etwa basiert auf einer 1000 mal gehörten Akkordfolge und wäre Belanglos-Pop pur, wenn darüber nicht Morrisseys schmachtender Gesang thronen würde (dennoch ist besagter Song der schwächste des Albums). Nebst Morrisseys Stimme sorgen Details wie Streicher (von Ennio Morricone höchstpersönlich dirigiert), Kinderchöre, ein Posaunen-Solo oder Regengeräusche sowie die wuchtige aber nicht überbordende Produktion von Altmeister Tony Visconti (u.a. David Bowie, T.Rex) dafür, dass "Ringleader Of The Tormentors" eben doch mehr ist, als "nur" ein nettes Rockalbum. Es ist im Prinzip ein Smiths-Album, nur eben ohne Beteiligung der drei anderen Smiths und mit etwas ausgefeilterer Produktion.
Textlich finden sich auf "Ringleader..." politische Seitenhiebe an seine einstige Wahlheimat ("If your god bestows protection upon you, and if the USA doesn´t bomb you, I believe I will see you somewhere safe" aus "I Will See You In Far Off Places"), anatomische Geständisse ("there are explosive kegs between my legs" aus "Dear God, Please Help Me") wie auch einigermassen banale Erkenntnise, die aus Morrisseys Mund aber wie die endgültige Wahrheit klingen. "There is no such thing in life as normal" etwa singt er in "The Youngest Was The Most Loved" (nebst "The Father Who Must Be Killed" vielleicht der Song, der am deutlichsten am musikalischen Erbe der Smiths anknüpft, zumal Morrissey am Schluss mal wieder so richtig schön jodelt). Oder in "Life Is A Pigsty" heisst es "Life is a pigsty. And if you don´t know this, then what do you know?" Wenn Morrissey sowas in seiner unnachahmlichen Art singt, kann man nicht gar anders, als ihm blind zu glauben. Hier weiss einer ganz genau, dass er die erste Geige spielt.
8/10
Ähnliche Interpreten:
The Smiths
Echo & The Bunnymen
www.morrisseymusic.com




Kommentare
A propos Gemeinsamkeiten mit den Smiths: Nach mir hat diese Scheibe mit der Ausnahme von ole Moz am Gesang wenig mit dem unverwechselbaren Gitarrenspiel von Johnny Marr gemeinsam. Trotzdem: neben "Vauxhall and I" sicher ne gute Scheibe der Solokarriere.