28. März 2007
MODEST MOUSE - We Were Dead Before The Ship Even Sank (Epic/SonyBMG)
Wie zum Teufel geht man vor, wenn man die zweitbeste Indie-Rock-Platte nach Pixies' "Doolittle" im Gepäck hat (die Rede ist vom letzten MM-Werk "Good News For People Who Love Bad News") und sich an ein neues Werk machen muss? Modest Mouse haben es geschickt gemacht und mit der Anheuerung des Ex-Smiths-Gitarristen Johnny Marr im Vorfeld die Aufmerksamkeit von der musikalischen auf die personelle Seite der Band gelenkt. Aber nun ist "We Were Dead Before The Ship Even Sank" da und was man erwartet ist – Marr hin oder her – eben doch ein würdiger Nachfolger. Ob die Mission geglückt ist? Sagen wir's mal so: Die Pixies schoben mit "Bossanova" ihrem Meisterwerk einen deutlich schlechteren Nachfolger nach als Modest Mouse es mit ihrem neuen Werk tun. Aber der Reihe nach:
"March Into The Sea" läutet den Song-Reigen mit Akkordeon und diabolischem Lachen in den Strophen ein, zeigt sich zwischendurch aber auch versöhnlich und endet abrupt. Ein nettes Statement à la "auch mit Major-Vertrag lassen wir uns unsere Kanten nicht nehmen", das dann allerdings durch die nachfolgend gezündete Hit-Rakete "Dashboard" relativiert wird. Der Song zielt gleichermassen auf Ohren und Beine, erfreulicherweise paart sich in diesem Fall Eingängigkeit mit Substanz, jedenfalls kann ich dem Song auch nach dem geschätzten 20. Hördurchgang nichts Schlechtes anhängen.
Nicht alle Songs zünden so rasch wie "Dashboard", manch einer braucht etwas mehr Aufmerksamkeit. "Parting Of The Sensory" ist so ein Song, der beim dritten, vierten, vielleicht auch erst fünften Hören zündet, einen dann aber so schnell nicht mehr loslässt. Die wehmütigen Streicher, der schleppende Rhythmus, dann: Akkorde wie Donnerschläge die das Finale einläuten, der Song steigert sich in eine Art pervertierte Folk-Ethno-Orgie, Isaac Brock singt sich in Trance. Modest Mouse machen das einzige richtige nach diesem abgrundtiefen Song: Sie schicken einen Lichtblick hinterher in Form des leichfüssigen "Missed The Boat", bei welchem (wie auch bei "Florida" und "We've Got Everything") ein prominenter Gastsänger am Start ist: James Mercer von The Shins singt wenige Worte, aber seine hohe, klare Stimme passt hervorragend zu Brocks' kläffendem Organ und die gemeinsam gesungenen Passagen graben sich rasch metertief in die Gehörgänge ein.
Was Modest Mouse' Songs einmal mehr auszeichnet, sind die Drehungen und Wendungen die sie nehmen. "Fly Trapped In A Jar" beginnt und endet hintergründig, dazwischen groovt der Song als ob die Sugarhill Gang auferstanden sei. Auf die Spitze getrieben wird das Prinzip beim 8-minütigen "Spitting Venom", das wie ein Seemannslied beginnt, in einen lupenreinen Indie-Rocker mündet, der klingt wie Modest Mouse anno 1998 und schliesslich mit einem langen, sich steigernden melancholischen Part ausklingt. Und natürlich lebt Modest Mouse' Musik von Isaac Brocks vielseitigem Stimmeinsatz. Wie Black Francis (so nannte sich Frank Black zu Pixies-Zeiten) spuckt er Worte aus, schimpft vor sich hin, bezirzt uns im nächsten Moment mit schönsten Melodien nur um uns dann doch wieder anzubrüllen.
Fazit: Auch wenn mir persönlich "Good News..." eine Spur besser (weil in sich stimmiger) gefällt, haben Modest Mouse mit "We Were Dead..." einen würdigen Nachfolger und definitiv eine der "must have"-Platten des Jahres am Start.
www.modestmouse.com
www.myspace.com/modestmouse
"March Into The Sea" läutet den Song-Reigen mit Akkordeon und diabolischem Lachen in den Strophen ein, zeigt sich zwischendurch aber auch versöhnlich und endet abrupt. Ein nettes Statement à la "auch mit Major-Vertrag lassen wir uns unsere Kanten nicht nehmen", das dann allerdings durch die nachfolgend gezündete Hit-Rakete "Dashboard" relativiert wird. Der Song zielt gleichermassen auf Ohren und Beine, erfreulicherweise paart sich in diesem Fall Eingängigkeit mit Substanz, jedenfalls kann ich dem Song auch nach dem geschätzten 20. Hördurchgang nichts Schlechtes anhängen.
Nicht alle Songs zünden so rasch wie "Dashboard", manch einer braucht etwas mehr Aufmerksamkeit. "Parting Of The Sensory" ist so ein Song, der beim dritten, vierten, vielleicht auch erst fünften Hören zündet, einen dann aber so schnell nicht mehr loslässt. Die wehmütigen Streicher, der schleppende Rhythmus, dann: Akkorde wie Donnerschläge die das Finale einläuten, der Song steigert sich in eine Art pervertierte Folk-Ethno-Orgie, Isaac Brock singt sich in Trance. Modest Mouse machen das einzige richtige nach diesem abgrundtiefen Song: Sie schicken einen Lichtblick hinterher in Form des leichfüssigen "Missed The Boat", bei welchem (wie auch bei "Florida" und "We've Got Everything") ein prominenter Gastsänger am Start ist: James Mercer von The Shins singt wenige Worte, aber seine hohe, klare Stimme passt hervorragend zu Brocks' kläffendem Organ und die gemeinsam gesungenen Passagen graben sich rasch metertief in die Gehörgänge ein.
Was Modest Mouse' Songs einmal mehr auszeichnet, sind die Drehungen und Wendungen die sie nehmen. "Fly Trapped In A Jar" beginnt und endet hintergründig, dazwischen groovt der Song als ob die Sugarhill Gang auferstanden sei. Auf die Spitze getrieben wird das Prinzip beim 8-minütigen "Spitting Venom", das wie ein Seemannslied beginnt, in einen lupenreinen Indie-Rocker mündet, der klingt wie Modest Mouse anno 1998 und schliesslich mit einem langen, sich steigernden melancholischen Part ausklingt. Und natürlich lebt Modest Mouse' Musik von Isaac Brocks vielseitigem Stimmeinsatz. Wie Black Francis (so nannte sich Frank Black zu Pixies-Zeiten) spuckt er Worte aus, schimpft vor sich hin, bezirzt uns im nächsten Moment mit schönsten Melodien nur um uns dann doch wieder anzubrüllen.
Fazit: Auch wenn mir persönlich "Good News..." eine Spur besser (weil in sich stimmiger) gefällt, haben Modest Mouse mit "We Were Dead..." einen würdigen Nachfolger und definitiv eine der "must have"-Platten des Jahres am Start.
www.modestmouse.com
www.myspace.com/modestmouse




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