deathmagnetic

Ride The Master For All?
Die erste Single aus "Death Magnetic" hinterliess einen zweispältigen Eindruck. Einerseits hätten sich Metallica nicht offensichtlicher bei ihrem eigenen Fundus bedienen können, der Song orientiert sich klar an "Fade To Black", "Welcome Home (Sanitarium)" und vor allem "One", den "Balladen" der drei grossen Alben "Ride The Lightning", "Master Of Puppets" und "And Justice For All", wirkte aber deutlich zerfahrener und weniger logisch aufgebaut wie jene. So als ob man mit Ach und Krach nochmals die alten Tagen aufleben lassen möchte. Andererseits fand ich den Song nach dem dritten Durchgang einfach nur noch geil (es geht beim Hören von Metallica immer um Jugenderinnerungen, insofern ist dieses abgedroschene Wort durchaus berechtigt), das etwas überladene Ende mit gefühlten 100 Riffs in 3 Minuten begann allmählich doch stimmig zu werden und der Refrain mit den wie üblich umständlich gedehnten Silben ("The day that never cou-oumes") machte es sich in den Gehörgängen bequem.

Doch der Reihe nach: Die Platte beginnt mit "That Was Just Your Life", einem ziemlich brachialen Uptempo-Song mit Hardcore-Touch und Stophengesang der ein wenig an Slayer erinnert (deren Stammproduzent Rick Rubin hat "Death Magnetic" produziert, die Slayer-Referenz wird auch im letzten Song "My Apocalypse" nochmals zu hören sein). Der Refrain hämmert sich mit Vehemenz (unterstützt von Lars Ulrichs Doublebassgewitter) in den Kopf des Hörers. Nach drei, vier Durchgängen ist klar: Der Einstieg ist gelungen.

Die Schwäche von "Death Magnetic" offenbart sich im zweiten Song "The End Of The Line". Ein Intro, ein weiteres Intro, nochmals ein Intro, ein Groove-Metal-Riff, wieder ein Break und in der daraufhin einsetzenden Strophe wird plötzlich die Melodie des vielleicht besten Metallica-Songs "Creeping Death" zitiert. Anschliessend ein Refrain der wieder zu keinem der vorhergehenden Parts passen will, irgendwann ein ruhiger Zwischenteil der nach der "Load"-Ära klingt. Auch wenn sich der Eindruck eines Flickwerks im weiteren Verlauf der Platte nicht ganz ausblenden lässt: So "schlimm" wie beim "End Of The Line" wird's nicht mehr. Der dritte Song "Broken, Beat & Scarred" ist sogar richtig gut. Offenbar haben sie sich von jüngeren Kollegen wie Mastodon inspirieren lassen, jedenfalls hätte "Broken, Beat & Scarred" auch gut auf deren aktuelles Werk "Blood Mountain" gepasst. Hier greifen die Riffs ineinander, der Song verfügt über eine ansprechende Dramaturgie (man hätte ihn trotzdem ein wenig kürzen können). Mit "Broken, Beat & Scattered" überwinden Metallica eine wichtige Hürde: Nach 3 Songs stellt sich das Gefühl ein: "Ja, die Jungs haben's nochmals gepackt!". Wenn dann das Intro von "The Day That Never Comes" (das man ja bereits im Vorfeld kannte) erklingt, so fühlt man sich - wenn man Metallica-Fan ist oder je einer war - definitiv zuhause. Dass sie gleich anschliessend den stärksten Song der Platte "All Nightmare Long" bringen, dessen Refrain sich zu DEM Ohrwurm der Platte entwickelt, ist ein geschickter Schachzug, denn ab jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Wobei kritische Geister auch hier anmerken werden, dass der Solopart überdeutlich den Song "Dyers Eve" zitiert. Aber wer sich damit abfinden kann, dass Metallica das Rad nicht neu erfinden sondern handwerklich geschickt Brücken schlagen zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit, wird daran aber eher Gefallen finden, statt sich darüber aufzuregen.

Weitere Worte spar ich mir, hört euch "Death Magnetic" doch einfach selber an:
http://www.metallica.com/index.asp?item=601231