maritime

Wir, die Vehikel...

„Glass Floor“, das Debut von Maritime, war ein nettes Album mit ein paar richtig tollen Songs, aber auf die ganze Länge war's mir dann doch etwas zu lauschig. Der Band offenbar auch, denn live präsentierten sie das Material einen rechten Zacken schneller und lauter, was teilweise aber leider fast schon lieblos gewirkt hat. Um das künftig zu verhindern und sich selber einen Gefallen zu machen, haben Maritime (die Band besteht noch immer zu zwei Dritteln aus Ex-Promise Ring- und einem Drittel Ex-Dismemberment Plan-Leuten) auf ihrem zweiten Album mit dem schönen Titel „We, The Vehicles“ das Tempo merklich erhöht und schmeissen uns nun einen flotten Gitarren-Pop-Hit nach dem anderen um die Ohren. Dass Maritime nicht im Elfenbeinturm musizieren, sondern auch das aktuelle Musik-Geschehen beobachten und verarbeiten, stellen wir bei „Parade Of Punk Rock T-Shirts“ und „Don’t Say You Don’t“ fest, in denen sich ein treibender Beat mit Offbeat-Hi-Hat eingeschlichen hat. Maritime goes Tanz-Rock und – oh Wunder! – das passt ganz gut! Aber keine Angst, die neuen Franz Ferdinand wollen Maritime keineswegs sein, dazu sind sie dann doch zu introvertiert und nachdenklich und das ist auch gut so.

Davey Von Bohlen hat ein sicheres Gespür für zündende Melodien und seine knödelige Stimme gehört für mich zu den tollsten im Indie-Rock. Ich muss zugeben, ich hab mir von Maritime’s zweitem Album nicht allzu viel erwartet und bin nun mehr als positiv überrascht. Da stimmt irgendwie fast alles, die Gitarren (nun mehr elektrisch als akustisch) spielen hübsche Melodiechen, da und dort setzt ein Synthie einen Akzent. Die Rhythmussektion übt sich im Understatement, bewirkt aber in ihrer Unauffälligkeit verdammt viel.

Diese Vehikel schleichen sich langsam aber unaufhaltsam in mein Herz und vielleicht auch in die Jahresbestenliste. Ob sie's ganz nach oben schaffen? Abwarten und geniessen.

9/10

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