Power-Pop der mehr zum Nachdenken und weniger zum Tanzen anregt.
Mit neuer Besetzung erreichen Koufax leider nicht ganz die alte Frische. Die Neuzugänge Ryan und Rob Pope (ehemals bei The Get Up Kids tätig) am Schlagzeug und am Bass liessen einen flotten Kracher erwarten, stattdessen präsentiert sich "Hard Times Are In Fashion" als ruhigeres, unspektakuläreres Album als der grossartige Vorgänger "Social Life". Zudem fehlen die mitreissenden Hooks, die Songs lassen den Pop-Appeal vermissen, der beinahe jeden Song auf "Social Life" zu einem Hit gemacht hat. Nach den ersten beiden Hördurchgängen war ich also erst mal ordentlich enttäuscht...

Aber zum Glück hab ich die CD nicht beiseite gelegt, sondern hartnäckig weitergehört. Und dabei dann endlich das Tolle am neuen Album schätzen gelernt: Weiterentwicklung auf allen Ebenen, sowohl rhythmisch, songwriterisch, gesanglich (vor allem die Ausflüge in tiefere Stimmlagen haben sich gelohnt), textlich aber auch was die Instrumentierung betrifft. Das bedächtige, unterschwellige "Blind Faith" legt den Fokus auf den Text und klingt musikalisch nun eher nach Joe Jackson zu "Night & Day" statt zu "Look Sharp"-Zeiten (eine Coverversion des Titelsongs dieses überaus empfehlenswerten Klassikers ist übrigens auf der EP "Why Bother At All" zu finden). "Isabelle" überrascht mit Steel-Guitar, "Stephen James" mit einem Refrain, der mich an ältere Pavement erinnert (eine Referenz die bis anhin im Koufax-Universum nicht vorkam).

"Reifer" könnte man das Album nennen, von "Piano-Pop" statt von Power-Pop sprechen, aber das klänge zu altbacken. Fakt ist: "Hard Times..." ist ein Album, das ich mir erarbeiten musste - gerade im Vergleich zum sehr viel leichter zugänglichen "Social Life" -, das zu entdecken sich aber für Liebhaber cleverer Pop-Musik letztlich absolut lohnt.

8/10

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