Nochmal gut gegangen.
Meine Beziehung zu Jimmy Eat World ist eine ganz spezielle. „Clarity“ war das erste Emo Album, das ich dazumal gehört hatte. Heute, bzw. fast zehn Jahre später, würde ich es als das Beste in dieser Sparte bezeichnen. Zumindest in meiner persönlichen Bestenliste. Die Band selber distanziert sich inzwischen natürlich, wie eigentlich alle Genrepioniere, vom Begriff „Emo“. Das Nachfolgewerk „Bleed American“ brachte JEW dann den endgültigen Durchbruch inkl. ausgedehnten Touren, Radio- und TV-Konsolen Airplay usw. Der Hit „The Middle“ wurde dann auch von einem gewissen ehemaligen Schweizer Castingshowteilnehmer gecovert.

Auf „Futures“ aus dem Jahre 2004 vereinigte das Quartett die Melancholie von „Clarity“ und den hymnischen Powerpop von „Bleed American“. Ein weiteres Album, das die Konkurrenz in Sachen Melodien, Atmosphäre und Herz meilenweit voraus war. Herz war dann leider, was dem inzwischen drei Jahre alten „Chase This Light“ eindeutig fehlte. Mit Ausnahme von zwei, drei Songs war das nur noch glattgebügelte, emotions- und inspirationslose Popmusik für die Massen. Eine Enttäuschung für Fans und Kritiker gleichermassen.

Die Erwartungen für „Invented“ waren riesig. Zeichen, dass es wieder wie früher klingen soll, gab es genug. So wurde Stammproduzent Mark Trombino wieder in’s Boot geholt, Tom Linton ist zum ersten Mal seit „Blister“ bei einem Song wieder für den Leadgesang verantwortlich, „Chase This Light“ wurde von der Band als einmaliges Experiment bezeichnet. Vielleicht waren all diese erwartungschürenden Aussagen etwas zu viel des Guten. Klar ist „Invented“ besser als „Chase This Light“. Mit dem Titelsong ist JEW der erste Übersong seit „23“ gelungen. Auch der folkig stampfende Auftakt „Heart Is Hard To Find“ gefällt glich sehr gut. Peinlichkeiten wie „Feeling Lucky“ oder „Electable“ bleiben diesmal aus, auch wenn „Coffe And Cigarettes“ und „Higher Devotion“ (ist das Dieter Bohlen an den Backingvocals?) nicht gerade Glanztaten stellen.

Fazit: Jimmy Eat World befinden sich (wieder) auf dem richtigen Weg. An „Clarity“ werden sie nie mehr anknüpfen können. Die Band immer wieder mit an ihrem einmaligen und unumstösstlichen Meisterwerk zu messen und zu erwarten, dass sie so was nochmals zustande bringen, ist aber nicht ganz fair. Darum sind wir mit „Invented“ zufrieden.

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