Ein B-Seiten Album, das ohne eine einzige B-Seite auskommt.
Jeder kennt wohl eine Band, die bereits seit Jahren wunderschöne Musik produziert und völlig zu unrecht noch immer komplett unbekannt ist. Bei mir sind das Grand Drive. Die beiden Wilson Brüder und ihre Sandkastenfreunde Ed Balch und Paul Wigens haben bereits auf 4 Studioalben bewiesen, dass sie alles können, bloss keinen schlechten Song schreiben. Meine Befürchtungen, dass sich dies mit dem B-Seiten und Raritätenalbum „Being Alive“ ändern könnte, lösen sich schnell in Luft auf. Gewiss, da die Songs während den letzten 5 Jahren entstanden sind, passen sie nicht ganz so perfekt zusammen, wie man sich das von Grand Drive Alben gewohnt ist. Andererseits könnte man diese Eigenschaft auch positiv bewerten - als grösseren Abwechslungsreichtum.

Wie gewohnt untermalen Grand Drive ihre herzerwärmenden Melodien mit meist akustischer Gitarre, einem äusserst sorgfältig agierenden Drummer, zwei sich perfekt ergänzenden Stimmen und den üblichen Verdächtigen, wie liebevoll arrangierten Streicherarrangements, Piano, Flöten, Mandolinen, Trompeten, Hörner und Steel-Gitarren. Grösstenteils wurden diese melancholischen, von amerikanischem Folk inspirierten Songs aus Budgetgründen nicht schon früher fertig gestellt und auf die regulären Alben gepackt. Jeder Song ist ein Highlight für sich, da ist es praktisch unmöglich einige hervorzuheben. Auf Anhieb ist mir „The First Time Again“ aufgefallen, weil der Song ziemlich untypisch für die harmoniebedürftigen Jungs von Grand Drive ist. Die ungewöhnliche Instrumentierung mit Trompeten und ebenso seltsame Melodie lassen unerwartet ein wenig Kill Bill-Feeling aufkommen. Auch das lediglich mit Piano beginnende „The Fair Goes Slow These Days“ weiss zu überraschen. Ein 8 Minuten Kunstwerk, wie es wirklich nur Grand Drive hinbekommen.

Und obwohl meine Fähigkeit etwas Schlechtes zu finden ziemlich gut entwickelt ist, so muss ich dieses Mal passen. Grand Drive haben ein weiteres kleines Wunder vollbracht. Vermutlich werden sie auch mit „Being Alive“ nicht viele Fans dazugewinnen. Dafür muss ich mir aber keine neue Die-Machen-Schon-Seit-Jahren-Gute-Musik-Und-Sind-Völlig-Zu-Unrecht-Noch-Immer-Komplett-Unbekannt-Band suchen.

10/10

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