24. Juli 2005
FIGURINES - Skeleton (Pop-U-Loud/Musikvertrieb)

Wieder wunderbarer Indie-Pop der Dänen, wenn auch eine leichte Enttäuschung...
Allerdings haben sich die Dänen auch eine schier unlösbare Aufgabe gestellt, denn das Vorgängeralbum "Shake A Mountain" ist schlicht grandios. Oder eher: schlicht und grandios. Eine glatte 10, ungemein sympathisch, bewegend, mitreissend, von mir hoch verehrt. Hymnischer Schrammel-Pop der Extraklasse und vielleicht mein Album des Jahres 2004. (Es erschien eigentlich bereits 2003, aber nur auf dem dänischen Label Morningside Records. 2004 wurde es vom deutschen Label Pop-U-Loud lizenziert).
Dessen waren sich Figurines wohl bewusst und so wählten sie für den Nachfolger den bewundernswerten Weg des Wagnisses und versuchten gar nicht erst, ein zweites "Shake A Mountain" aufzunehmen. "Skeleton" ist vielseitiger (oder inhomogener, je nach Sichtweise). Schon die ersten zwei Songs führen dies deutlich vor Augen. Im Spex-Interview meinten Figurines, dass der Opener "Race You" irgendwie nicht zu den anderen Songs gepasst habe, deshalb hätten sie ihn einfach an den Anfang gestellt. Ob die sanfte Klavierballade mit Christian Hjelms ergreifendem, brüchigen Gesang dort richtig platziert ist, sei dahingestellt. Das anschliessende "The Wonder" könnte konträrer nicht sein, ein angeschrägter Up-Tempo-Song, der wie das später folgende "Ambush" irgendwie Agenten-Film-Atmosphäre versprüht. A propos angeschrägt: An ihrer brillanten Fähigkeit, tolle Melodien zu schreiben, die sich leicht abseits der gewohnten Pfade bewegen, hat sich zum Glück auf "Skeleton" nichts geändert, auch wenn sie nicht immer im selben Mass zünden wie auf "Shake A Mountain".
Dass sich die Band im Studio mehr Zeit nahm, merkt man nicht nur am gewachsenen Mut zur Abwechslung, sondern auch an den wunderbaren Chor-Arrangements in "Rivalry" oder "I Remember". Die Beach Boys lassen grüssen. Stilistisch haben Figurines ihr Spektrum erweitert: "Ghost Towns" ist ein hübscher Country-Song mit Banjo. Ebenfalls Country aber weniger gelungen weil zu verhalten ist "Back In The Day", der zweitletzte Song. Zum Glück folgt daraufhin "Release Me On The Floor", einer der besten Songs des Albums und ein mehr als versöhnlich stimmender Abschluss. Erinnert mich im Refrain ein wenig an "Follow The Pioneers" vom Debut. Leicht melancholisch, wunderbar gesungen (mit dem alten Dinosaur Jr "Trick": der Leadgesang ist oktaviert). Irgendwie verträumt, schwebend und doch alles andere als abgehoben. Ein wirklich gelungener Abschluss für ein Album, das sehr wahrscheinlich als "Übergangs"-Album in die Geschichte der Figurines eingehen wird. Wohin die Reise führt ist zwar offen, ich werde ihnen aber sicher überall hin folgen.
Warum ich dennoch ein wenig enttäuscht bin von "Skeleton"? Um ehrlich zu sein: ich kann es nicht benennen. Es ist wohl einfach der Schatten des Überwerks "Shake A Mountain". Ohne den würde ich Skeleton wohl noch einen Punkt mehr geben und hätte daran auch nichts auszusetzen. Insofern: Uneingeschränkte Empfehlung (mit dem dringlichen Hinweis, sich "Shake A Mountain" ebenfalls zuzulegen!)
8/10
Ähnliche Interpreten:
Built To Spill
Pavement
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