Das neue Interpol-Album? Wiederentdeckte und neu gemasterte Joy Division-Aufnahmen?
Ach nein, nur eine weitere Band, die sich dem Post-Punk der frühen 80er-Jahre verschrieben hat. Und deren Sänger zudem stimmlich ganz gewaltig an Paul Banks (Interpol) erinnert. Dem ja wiederum oft nachgesagt wird, dass er an Ian Curtis (Joy Division) erinnern würde...

Skepsis wäre also angesagt, ist aber Fehl am Platz. Denn Editors' Debut-Album "The Back Room" ist einfach zu gut, man kann es drehen und wenden wie man will. Der Einstieg mit "Lights" fällt zwar noch eher unspektakulär aus, dafür folgt mit "Munich" ein Hit erster Güte, der einen unwiderstehlichen Sog Richtung Tanzfläche entwickelt und einen fast schon unheimlich eingängigen Refrain vorzuweisen hat. Klar, man kennt die stilbildenden Elemente zur Genüge: Achtel-Bass, Sechzehntel-Hi-Hat (wahlweise auch Off-Beat), schwelgerischer Gesang, gelegentliche Synthie-Klänge, eine schrammelnde und eine melodiöse Gitarre. Alles schon mal da, alles schon gehört. Und doch: Gut. Sehr sogar. Besser als etwa The Departure, die mit denselben Elementen weit weniger rausholen als Editors. Irgendwie stimmt auf "The Back Room" die Stimmung, das Album wirkt authentischer als "Dirty Words" von den eben genannten Departure. Zudem können Editors nicht nur zum Tanzen animieren, sondern mit getragenen Stücken wie dem grossartigen "Camera" oder "Distance" auch zum Träumen. Hier schimmern Einflüsse von My Bloody Valentine durch, ähnlich verarbeitet wie etwa auf "Lesser Matters" von The Radio Dept. (ein Tipp, so ganz nebenbei).

Geschmäckler werden sich vielleicht daran stören, dass Editors zuweilen etwas gar pathetisch klingen oder dass der Anfang von "Bullets" auch von U2 stammen könnte. Aber hey, glaubt mir, wenn ihr euch auf "The Back Room" einlässt, dann werdet ihr dies bald vergessen haben. Denn - wie gesagt - das Album ist einfach zu gut um daran rumzumeckern!

8/10

Ähnliche Interpreten:
Interpol
The Departure
Joy Division
Echo & The Bunnymen

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