Die Herren besinnen sich auf alte Tugenden, was vorallem den älteren Fans gefallen wird.
Nach verdienten 4 Jahren Pause (sie sind ja nun wirklich nicht mehr die Jüngsten) melden sich Echo und seine Karnikelknaben zurück. Ein prima Timing angesichts der unzähligen, erfolgreichen 80er Revival-Bands, welche diese Tage allesamt stets gerne zu Protokoll geben, stark von den Bunnymen beeinflusst worden zu sein. Und wirklich, auch Echo & the Bunnymen klingen heute wieder mehr nach den 80er Jahren, als dies bei den anderen Alben seit ihrem Comeback der Fall gewesen wäre. Ob das gut ist, muss jeder selbst entscheiden. Vermutlich spaltet dieses Album die Fans in zwei Lager: das „ich war schon immer ein Fan“, und das „ich bevorzuge die neuen Sachen und kann mit dem typischen 80er Jahre Sound nichts anfangen“-Lager. Ich gehöre definitiv zum Zweiten. Und trotzdem gefällt mir „Siberia“ recht gut. Echo & the Bunnymen haben einen guten Mittelweg gefunden, um alte und neue Fans gleichermassen zu bedienen. Viele Balladen wie auf dem genialen „What Are You Going To Do With Your Life“ sucht man allerdings vergebens. „Siberia“ besitzt auch deutlich mehr Rock-Appeal sowie Ecken und Kanten im Vergleich zum Comeback Album „Evergreen“.

„Parthenon Drive“ erinnert an alte Zeiten (Heaven Up Here, 1981), ohne selber alt zu klingen. „In The Margins“ bezaubert mit einer hübschen Melodie und wunderbar untermaltem Gitarrensound. „Scissors In The Sand“ rockt so fest, wie es Echo & the Bunnymen schon lang nicht mehr getan haben. Die einzelnen Songs von „Siberia“ ergänzen sich perfekt zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. Die eingängigen Popsongs überwiegen, und stets stehen die markante Stimme von McCulloch und das gekonnte Gitarrenspiel von Will Sergeant im Vordergrund. Das Album endet mit der zuckersüssen Ballade „What If We Are“. Ein Song ganz nach meinem Geschmack, der mich etwas für die rauere Gangart entschädigt, die Echo & the Bunnymenn im Jahr 2005 eingeschlagen haben.

Dass die gestandenen Herren auch nach 26 Jahren immer noch erfrischende und inspirierte Alben veröffentlichen, ist ein kleines Wunder, das mit jedem zusätzlichen Album noch etwas grösser wird.

7/10

Ähnliche Interpreten:
Joy Division
Ian McCulloch

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