24. September 2006
DUARA - We Have Only Ten Songs To Save The Earth (Ikarus Records)
Postrock aus dem Thurgau. Gibt's sowas überhaupt? Ja und wie! Duara aus Frauenfeld sind offenbar schon seit 7 langen Jahren gemeinsam am Musizieren, bis vor kurzem allerdings jenseits meines musikalischen Bewusstseins. Das Label Ikarus Records (das ich ebenfalls nicht gekannt hatte) hat nach eingehender Analyse der an dieser Stelle von mir verbreiteten Ansichten aber offenbar erkannt, dass sich dies ändern muss, hat mir freundlicherweise Duaras aktuelles Album zugeschickt und mir damit einen jener seltenen, glücklichen Momente beschert, in denen man eine CD einlegt ohne jede Ahnung was einen erwartet und dann schlicht und einfach begeistert ist.
"We Have Only Ten Song To Save The Earth" heisst besagte Scheibe und darauf zu hören gibt es fein austarierten, sorgfältig arrangierten und leidenschaftlich eingespielten Postrock. Der Sound ist angenehm transparent, die Gitarren nur wenig verzerrt, dafür immer schön luftig und mit viel Hall und wenig Delay ausgestattet. Beim Schlagzeug laufen die Fäden zusammen (oder wer's sportlicher mag: vom Schlagzeug werden die Bälle verteilt), es macht Druck, ist aber doch verspielt genug um Duaras Musik das Quentchen Rastlosigkeit zu verleihen, das ich im Postrock so schätze. Immer wieder streuen Duara interessante Ideen und Ideechen in ihre Kompositionen ein oder lassen sie andere Richtungen einschlagen. Wenn bei "Break Seal Gently" nach zwei Minuten das Schlagzeug elektronisch gedoppelt wird, dann vergisst man, dass der Song etwas unentschlossen und zögerlich begonnen hat. So ist "We Have Only Ten Songs..." dann auch nicht eine Platte mit potentiellen Lieblingssongs, sondern eine mit Lieblingsstellen. Meine momentane: Wenn bei "Teleolomo" nach 4 Minuten und 10 Sekunden die Slide-Gitarre einsetzt und vor allem wenn sie bei 5 Minuten und 1 Sekunde kurzzeitig "entgleist" und damit einen Anstieg an Intensität einleitet.
Natürlich erfinden Duara nichts neu, sie bewegen sich zwischen Mogwai'schen Soundscapes und dem songorientierteren Mid-90s-Emo von Bands wie Mineral oder Appleseed Cast (auf Gesang verzichten Duara aber fast völlig). Die Rhythmik erinnert gelegentlich an Honey For Petzi zu "Heal All Monsters"-Zeiten. Und spätestens wenn das Glockenspiel zum Einsatz kommt, dann liegt auch der Vergleich zu den Grossmeistern dieses Genres – zu Tortoise nämlich – auf der Hand. Aber zu keiner Zeit klingen Duara wie ein Abklatsch dieser Bands, sie bewegen sich vielmehr auf gleicher Augenhöhe und schreiben mit "We Have Only Ten Songs To Save The Earth" – Achtung, jetzt wird's pathetisch – ihr eigenes Kapitel im Buch des Postrock.
Bestellen kann man das Album übrigens auf www.ikarusrecords.ch und ich empfehle euch – ach was: ich befehl euch! – dies unverzüglich zu tun.
9/10
Ähnliche Interpreten:
The Evpatoria Report
Honey For Petzi
Ostinato
Tortoise
www.ikarusrecords.ch
"We Have Only Ten Song To Save The Earth" heisst besagte Scheibe und darauf zu hören gibt es fein austarierten, sorgfältig arrangierten und leidenschaftlich eingespielten Postrock. Der Sound ist angenehm transparent, die Gitarren nur wenig verzerrt, dafür immer schön luftig und mit viel Hall und wenig Delay ausgestattet. Beim Schlagzeug laufen die Fäden zusammen (oder wer's sportlicher mag: vom Schlagzeug werden die Bälle verteilt), es macht Druck, ist aber doch verspielt genug um Duaras Musik das Quentchen Rastlosigkeit zu verleihen, das ich im Postrock so schätze. Immer wieder streuen Duara interessante Ideen und Ideechen in ihre Kompositionen ein oder lassen sie andere Richtungen einschlagen. Wenn bei "Break Seal Gently" nach zwei Minuten das Schlagzeug elektronisch gedoppelt wird, dann vergisst man, dass der Song etwas unentschlossen und zögerlich begonnen hat. So ist "We Have Only Ten Songs..." dann auch nicht eine Platte mit potentiellen Lieblingssongs, sondern eine mit Lieblingsstellen. Meine momentane: Wenn bei "Teleolomo" nach 4 Minuten und 10 Sekunden die Slide-Gitarre einsetzt und vor allem wenn sie bei 5 Minuten und 1 Sekunde kurzzeitig "entgleist" und damit einen Anstieg an Intensität einleitet.
Natürlich erfinden Duara nichts neu, sie bewegen sich zwischen Mogwai'schen Soundscapes und dem songorientierteren Mid-90s-Emo von Bands wie Mineral oder Appleseed Cast (auf Gesang verzichten Duara aber fast völlig). Die Rhythmik erinnert gelegentlich an Honey For Petzi zu "Heal All Monsters"-Zeiten. Und spätestens wenn das Glockenspiel zum Einsatz kommt, dann liegt auch der Vergleich zu den Grossmeistern dieses Genres – zu Tortoise nämlich – auf der Hand. Aber zu keiner Zeit klingen Duara wie ein Abklatsch dieser Bands, sie bewegen sich vielmehr auf gleicher Augenhöhe und schreiben mit "We Have Only Ten Songs To Save The Earth" – Achtung, jetzt wird's pathetisch – ihr eigenes Kapitel im Buch des Postrock.
Bestellen kann man das Album übrigens auf www.ikarusrecords.ch und ich empfehle euch – ach was: ich befehl euch! – dies unverzüglich zu tun.
9/10
Ähnliche Interpreten:
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Ostinato
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www.ikarusrecords.ch




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