The Beatles meets Superchunk: Wunderschöner US-Indie-Pop für gehobene Ansprüche.
Am 30. August erscheint "Plans", das fünfte Studioabum von Death Cab For Cutie. Mit "Plans" vollziehen DCFC den Wechsel zum Majorlabel Atlantic (Warner) und sie verlassen somit den Schoss des kleinen Independent-Labels Barsuk (u.a. Nada Surf, The Long Winters, John Vanderslice). Letzteres wird seit kurzem hierzulande von RecRec vertrieben, weshalb nun auch die frühen, zeitweise vergriffenen Alben, die kürzlich auf Barsuk wiederveröffentlicht wurden, bei uns problemlos erhältlich sein sollten. Gut so, denn als Musikliebhaber mit Schwächen für US-Indie-Pop/Rock sollte man mindestens eines dieser Alben besitzen!

Das bisher letzte, von vielen als Meisterwerk verehrte, von mir zumindest hochgeschätzte Album "Transatlanticism" (2003) ist hierzulande übrigens weiterhin via Grand Hotel Van Cleef erhältlich. Thees Uhlmann von GHVC (und Tomte) meinte über "Transatlanticism":

"Death Cab for Cutie haben es geschafft mit ihrer dritten Platte einen Klassiker des "Quiet Rock" rauszubringen. "Transatlanticism" ist all das, was wir zur Zeit an Rockmusik lieben. Seitdem das Klavier bei Rockmusik wieder mitmachen darf. Große Melodiebögen, die erst nach dem dritten mal ihre Schönheit offenbaren, leuchtende Ernsthaftigkeit. Eine herrliche Platte."

Er hat übrigens falsch gezählt, "Transatlanticism" ist bereits das vierte Album wie wir gleich sehen werden. Aber ansonsten hat er natürlich recht. DCFC schreiben wunderschöne Pop-Songs, die selten richtig rocken und doch alles andere als beiläufig oder oberflächlich sind. Wer grosse Gefühle und kleine Produktionen mag, der dürfte insbesondere an den frühen DCFC-Alben Gefallen finden. Aber der Reihe nach:

Something About Airplanes (1998)
Eine leicht verstimmte akustische Gitarre und Cello-Klänge, später eine Stimme die nach Last Days Of April klingt, dann ein verschrobener Takt von einem rumpelnden Schlagzeug. So beginnt das Debut-Album. Man hört ihm die 8-Spur-Aufnahme jederzeit an, was jetzt - Jahre später - zwangsläufig so klingt, als hätten wir das erste DCFC-Demo vor uns. Für High-End-Ohren also nur bedingt tauglich, für Muskbegeisterte jedoch eine Fundgrube an Emotionen und Melodien. Besitzt eigentlich alles, was man an DCFC liebt: Ben Gibbard's sanfte und doch eindringliche Stimme, die "Emo"-Gitarren, das oft "programmiert" wirkende und dadurch enorm wirkungsvolle Schlagzeugspiel ebenso wie die Beatles-Referenzen. Und diese Art Songs zu schreiben, die irgendwie vor sich hin plätschern und doch nicht langweilen. Die beim ersten Hören fast schon zu leicht ins Ohr (und wieder raus) gehen und doch irgendwo, tiefer als man vermutet, haften bleiben.

We Have The Facts And We're Voting Yes (2000)
Im Prinzip keine grossen Unterschiede zum Debut, nur mit besserer Produktion. Chris Walla, der Gitarrist von DCFC, lässt hier bereits sein Produktions-Talent erahnen, von dem mittlerweile auch Bands wie The Thermals, The Decemberists oder - ganz aktuell - Nada Surf Gebrauch gemacht haben. Vielleicht einen Zacken ruhiger als das Debut. Der Album-Titel ist definitiv einer der besten aller Zeiten und das Booklet einfach aber wunderschön, auf pappartigem Papier, mit lustigen kleinen Löchern drin. Sehr schön!

The Photo Album (2001)
Immer noch seltsam entrückt und doch zugänglicher. Klanglich wiederum eine Spur besser als der Vorgänger, aber der Unterschied zwischen "Photo" und "Facts" ist geringer als der zwischen "Something" und "Facts". "We Laugh Indoors" ist ein Song, den man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bringt. Dieser treibende Beat kontrastiert wunderbar mit den verhaltenen Gitarren. Und die Textzeile "I loved you Guenivere", x-fach wiederholt. Banal eigentlich, aber Guenivere ist einfach ein toller Name und der Text klingt dadurch ganz anders als "I love you Emily" oder "...Sandra". Das bis dato reifste Album von DCFC. Wer sich nur ein Prä-"Transatlanticism"-Album leisten kann: die hier ist die richtige!

You Can Play These Songs With Chords (2002)
Eine Compilation mit Demos und weiteren unveröffentlichten Songs aus den Jahren 1996 bis 2002. U.a. findet sich hier ein Cover des Smiths-Klassikers "This Charming Man" oder ein recht eigenwilliger Song namens "Tomorrow", laut Liner-Notes "our attempt to construct a european dance hit". Plus beinahe alle Songs des Debuts "Something..." in der Demo-Version. Von allen Rereleasen das verzichtbarste Album. Eigentlich nur für diejenigen interessant, die wirklich jeden Ton besitzen möchten, den DCFC je aufgenommen haben. Immerhin: Das Artwork mit dem zweiteiligen Booklet, wovon ein Teil wie ein überdimensioniertes Dia aussieht, ist sehr gelungen!

7/10, 7/10, 8/10, 6/10

Ähnliche Interpreten:
Nada Surf
Coldplay (zu Parachutes-Zeiten)
Superchunk
Last Days Of April
The Posies
The Beatles
The Postal Service (musikalisch nicht sehr ähnlich, aber wunderbarer Elektro-Pop mit DCFC-Stimme Ben Gibbard)

www.deathcabforcutie.com