BSS NP

Kanadisches Kollektiv vs. kanadisches Kollektiv.
Gleich zwei grosszügig besetzte Bands aus Kanada kehren dieser Tage mit neuem Album in unsere gute Stube zurück. Zum einen Broken Social Scene, das Kollektiv um Kevin Drew und Brendan Canning, das zeitweise selbst nicht mehr wusste, wieviele Köpfe es eigentlich zählt und in dessen Reihen einst auch die mittlerweile ungleich erfolgreichere Feist musizierte. Zum anderen das Oktett The New Pornographers um Kopf A.C. Newman und seine Sidekicks Dan Bejar (Destroyer) und Neko Case.

Für Broken Social Scene ist das neue Album "Forgiveness Rock Record" (City Slang/TBA) nichts anderes als ein Befreiungsschlag. Denn nach dem selbstbetitelten Monsterwerk, dessen Entstehung offenbar ungemein nervenaufreibend war, und zwei eher mittelmässigen Soloalben der beiden Bandleader schien die Luft raus zu sein. Manch einer hatte die Band schon ad acta gelegt. Doch mit der Hilfe von John McEntire (Tortoise, Sea And Cake) haben sich BSS zusammengerauft und ein erstaunlich luftiges und unverkrampftes Album eingespielt, dass die Stärken der Band (treibende Rhythmen, vielschichtige Arrangements, variabler Gesang) bündelt, aber leider auch die Schwächen (eine gewisse Gleichförmigkeit im Songwriting und vor allem bei den Melodien sowie zeitweise zu starkes Abdriften in blossen Schönklang) nicht ganz ausblenden kann. (Album-Player auf www.brokensocialscene.ca)

Im Gegensatz zu BSS, deren Vorbilder u.a. im Post-Rock der 90er zu suchen sind (Tortoise, Stereolab), blättern The New Pornographers im Buch der Rock-Geschichte ein bisschen weiter zurück und landen irgendwo zwischen den Beach Boys, Electric Light Orchestra und The Cars, gepaart mit einer guten Prise US-College-Rock. Schmissiger Power-Pop mit grossen Melodien, das ist ihr Ding, und auf den ersten drei Alben haben das TNP ganz vorzüglich hingekriegt. Mit "Challengers" (2007 erschienen) wurden dann zum ersten Mal das Tempo etwas gezügelt, der Schmiss sozusagen hingeschmissen. "Together" (Matador/Musikvertrieb) macht genau da weiter. Mit grossen Melodien wird nicht gespart, aber die Songs springen dem Hörer nicht mehr so ins Gesicht wie noch auf "Twin Cinema". Die Laune vermögen sie damit an trüben Tagen nachwievor zu heben, auch wenn sie weniger Eindruck als auch schon hinterlassen.

Hier könnt ihr euch den Beinahe-Titelsong anhören: "Your Hands (Together)"