Hat sich der Wechsel zum Indielabel gelohnt?
Es ist wirklich unfair. Blackmail machen schon seit einer halben Ewigkeit zusammen Musik, bringen alle paar Jahre ein Album auf den Markt, das von Kritikern und Indie-Fans gleichermassen geschätzt wird, und sie gehören zu den besten Livebands überhaupt. Weshalb also bleibt ihnen er grosse Erfolg konsequent verwehrt? Die einfachste Antwort ist wohl auch die richtige; sie kommen aus Koblenz, nicht aus New York oder London.

Wer die vier Koblenzer aber kennt, durfte schon relativ hohe Erwartungen an ihr neues Werk stellen. „Bliss, Please“ und „Friend Or Foe?” waren kleine Indierock-Meisterwerke, die bis heute nichts von ihrer Klasse verloren haben. „Aerial View“ mag da nicht mithalten. Blackmail wollten sich weiterentwickeln, daher auch der Wechsel zum Indielabel City Slang. Zudem sass Gitarrist Kurt Eberhäuser zum ersten Mal nicht allein hinter den Reglern, sondern zusammen mit Andy Jung. Die Stonerrock Elemente, die auf „Friend Or Foe“ noch zeitweise zum Vorschein kamen, sind nun vollends verschwunden. Dafür wird vermehrt auf elektronische Elemente gesetzt, am auffälligsten bei „Meddlesome“ und „Splinter“. Das Problem von „Aerial View“ ist, zumindest im Vergleich zu den Vorgängern, dass es einige Songs ganz einfach nicht über das langweilige Mittelmass hinausschaffen. Die ersten vier Songs rocken in gewohnter Manier. „Electricido“ dauert gerade mal anderthalb Minuten, „Everyone Safe“ reiht sich nahtlos in die Tradition von „Same Sane“ und „It Could Be Yours“ ein. „Couldn’t Care Less“ überrascht in der Mitte mit einem Trompeten-Crescendo. Darauf folgen einige, wie schon gesagt, ungewohnt beliebige Stücke, allen voran „Me And My Shadow“ und „Splinter“. Für einen versöhnlichen Abschluss sorgt dann aber doch noch „Soulblind“. Wären alles Songs von diesem Kaliber, gäbe es erneut nichts auszusetzen.

Das Wort, welches „Aerial View“ am besten trifft, ist solide. Von Blackmail durfte man eigentlich ein bisschen mehr erwarten. Was hier aber nur knapp über dem Durchschnitt liegt, wäre für vergleichbare Bands immer noch wünschenswert.

6/10

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