battlesgloss

Die Mensch-Maschine.
Viel wurde spekuliert, wie sich wohl der Ausstieg von Tyondai Braxton, dessen effektbeladener Gesang sich zum heimlichen Star des letzten Battles-Albums "Mirrored" mauserte (v.a. dank der Single "Atlas"), auf die Musik von Battles auswirken werde. Nun liegt der Nachfolger "Gloss Drop" (Warp/Musikvertrieb) vor und man ist zuallererst mal darüber erstaunt, dass diese Fülle an Klängen und Rhythmen von lediglich drei Leuten erzeugt worden sein soll. Anscheinend hat die Band den Wegfall von Braxton, der ja nicht nur gesungen sondern auch viele Instrumente bedient hat, einfach mit noch mehr technischen Gerätschaften kompensiert und sich noch mehr Richtung Mensch-Maschine entwickelt. Dass letztlich die Menschen und nicht die Maschinen den Ton angeben, manifestiert sich v.a. in John Staniers unglaublich treibendem und verspielten Drumming.

Den Wegfall des Sängers haben Battles elegant kompensiert. Sie haben sich einfach Gastsänger eingeladen, die ihren Songs den ganz eigenen Stempel aufdrücken. So wird z.B. die Single "Ice Cream" mit dem chilenischen Sänger Matias Aguayo zu einer fast schon karibischen Angelegenheit, während "Sweetie & Shag" mit Blonde Redhead Sängerin Kazu Makino eine entrückte Pop-Note erhält.

Auf die gesamte Dauer der Spielzeit ist "Gloss Drop" ziemlich schwer verdauliche Kost, wer sich aber gerne mal musikalisch durchnudeln lässt ist hiermit gut bedient. Tipp: Auf Doppel-LP zulegen, dann passt's hervorragend, denn man kann nach jeweils 3 Stücken eine kurze Pause einschieben und die Gehörgänge wieder neu sortieren.

Battles - Ice Cream (Featuring Matias Aguayo) - taken from forthcoming album 'Gloss Drop' from Warp Records on Vimeo.