babyshambles

Leben nach den Libertines: Teil 1.
Hat hier jemand die Hoffnung geäussert, dass sich mit Erscheinen dieses Albums der Fokus der Öffentlichkeit von Peter Doherty's K&K*-Eskapaden auf seine Musik verschieben wird? Kannst du vergessen, zumal der Herr (bzw. sein Management (bzw. doch er, weil er ja angeblich gar kein Management mehr hat)) ja bereits aus fadenscheinigen Gründen die ganze anstehende Europa-Tour abgesagt hat. Doherty wird - so meine Vorhersage - sehr vielen Leuten als tragikomische Rock 'n' Roll-Gestalt in Erinnerung bleiben, sehr viel weniger werden sich an ihn als talentierten (damit mein ich nicht technisch versierten!) Musiker erinnern. (Wobei die Frage offen bleiben muss, inwiefern Doherty überhaupt für seine Musik verantwortlich ist und welcher Verdienst seiner Band und dem Produzenten Mick Jones (ehemals The Clash) zuteil kommt...)

Klar, wer auf fette Produktionen, cleane Gesangslinien und klare Songstrukturen steht, wer also beispielsweise Nickelback zu seinen Lieblingsbands zählt, dürfte mit "Down In Albion" seine liebe Mühe haben. Zu zerfranst, zu schräg, zu beliebig werden ihm die Songs erscheinen. Die Babyshambles liefern quasi die Punkte, die der Hörer selber verbinden muss, um das ganze Bild zu sehen. Dazu kommt, dass Doherty singt, als ob er seine Melodien fortlaufend erfinden würde. Sowas ist nicht jedermans Sache... Aber wer in der Musik Authentizität sucht, Ehrlichkeit und Unmittelbarkeit, der dürfte am Album mehr Freude haben als ihm lieb ist. Denn so unwirklich Doherty aufgrund seines Gebahren mittlerweile wirkt, so grundehrlich ist seine Musik geblieben. Zu weiten Teilen skizzenhaft und angedeutet, aber doch zwingend. "Killamangiro" kennt man schon eine Weile, das macht den Song aber nicht schlechter. Ein flotter Pub-Rocker, den Libertines-Fans sofort ins Herz schliessen können. Dasselbe gilt für "Fuck Forever" oder auch "A'rebours". Beim ersten Hören völlig quer in der Landschaft steht der Raggamuffin-Song "Pentonville", in dem Doherty eine Bekanntschaft aus der kurzen Zeit hinter Gittern ans Mikrofon lässt. Der Song ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern er leitet auch eine Wende ein. Nachher wird das Album ruhiger, mit "Albion" ist gar eine wirklich schöne Ballade zu finden.

Ein paar Mängel lassen sich nicht übersehen: Das Album ist letztlich zu lang und verliert sich am Schluss, der Reggae-Song "Sticks And Stones" ist höchstens mittelmässig und auch das erwähnte "Pentonville" ist für sich alleine genommen doch eher schwach. Dennoch: Die Babyshambles mäandrieren auf "Down In Albion" derart schön um den perfekten Pop-Song herum (und gelegentlich deutlich daran vorbei), dass es eine wahre Freude ist. Wer will, entdeckt hier in einem einzelnen Song soviel Melodien und Ideen, wie sie beispielsweise auf der ganzen letzten Weezer-CD nicht zu finden waren.

Wird Carl Barât mit seinen Dirty Pretty Things hier mithalten können? Deren Debut-Album entsteht gegenwärtig in Los Angeles. Produziert wird es vom semi-legendären Dave Sardy, erscheinen soll es im April 2006. Wir sind gespannt auf "Leben nach den Libertines: Teil 2".

(*Koks und Kate)

8/10

Ähnliche Interpreten:
Libertines
The Clash
The Jam

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